Magdalen Nabb: Cosimo, Diogenes Verlag, Zuerich 2004, 304 Seiten, 19,90 Euro

Cosimo, ein kleiner fuenfjaehriger Junge, lebt trotz Eltern, Kindermaedchen, Kindergarten und finanzieller Sicherheit in einer kalten, einsamen Welt. Der Leser spuert die Aengste des Kindes von Beginn an, seine Sehnsucht nach Zuneigung und Akzeptanz. Plueschtier Teddy Braun, schon Eigentum des Vaters, ist der einzige treue Gefaehrte an der Seite des kleinen Jungen. Magdalen Nabb macht es dem Leser nicht leicht, denn in ihrer bedrueckend eindringlichen Beschreibung der psychischen Aengste des Kindes liegt eine Vorahnung des sich ankuendigenden Unheils. Allein schon die Vorsicht des Kindes jedem Erwachsenen gegenueber ist ein Anzeichen fuer praegende Erfahrungen, die er gemacht haben muss. "Darf ich dir etwas erzaehlen?" - eine zu hoefliche voellig unkindliche Frage, die Cosimo wie ein Schutzschild vor sich her traegt als waere er nur der Spielball der Erwachsenen. Aber Cosimo ist ein empfindliches Kind, voller Angst vor der lauten Standuhr des verstorbenen Grossvates, die er mal erben soll. Er ist auf der Suche nach Orientierung und Regeln. Seine junge, tablettenabhaengige Mutter in ihrer Sprunghaftigkeit und gedanklichen und koerperlichen Abwesenheit ist keine Hilfe, der wohlhabende Vater auf Geschaeftsreisen, die Grossmutter eher gefuerchtet als geliebt. " Cosimo" ist ein eigenartiges Buch, denn kaum hat man sich an den kindlichen Protagonisten gewoehnt, ist er auch schon wieder verschwunden. Dass der kleine Junge brutal erschlagen wird, bleibt ein Schock.

Der Leser macht sich nun auf die Suche nach dem Tatmotiv und vor allem nach dem in Frage kommenden Moerder. Doch umsonst, Magdalen Nabb gewaehrt nur Einblicke in die Kindheit und unglueckliche Ehe der Eltern von Cosimo. Sie zeichnet ein Bild unterschiedlicher Figuren, die aneinander gebunden sind und sich nicht loesen koennen. Jeder tritt seine eigenen inneren Fluchten an. Viele Tueren oeffnen sich dem Leser, Blicke in Geheimnisse hinter Wohlhabenheit, vermischt mit Erinnerungsfetzen, tiefer Religioesitaet und sexueller Vorlieben. Die Geschichte verraetselt sich zunehmend und ueberlaesst dem Leser Puzzle fuer Puzzle die Aufklaerung des Verbrechens.

K.H.