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Viele Organisationen, Firmen aber auch Privatpersonen veroeffentlichen zunehmend ihren persoenlichen Jahreskalender, der zum einen markante Abbildungen praesentiert, zum anderen als Gedaechtnisstuetze Platz fuer kurze, taegliche Notizen bietet. Bei der Durchsicht der Neuerscheinungen fielen der DFG Kalender 2005 und der IRIS Media Kalender durch die subtile Auswahl der jeweiligen Fotos auf. Der Maler Peter Herrmann hat im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft fuer das kommende Jahr die Gestaltung des Kalenders uebernommen. Traditionsgemaess finden Abbildungen von DFG-gefoerderten Forschungsprojekten, z.B. TERAMOBILE oder die Messung von Gravitationswellen Eingang in den Wochenkalender. 2005 werden zwar Friedrich Schiller oder Hans Christian Andersen hoch geehrt, aber fuer die naturwissenschaftliche Welt ist es natuerlich das “Einsteinjahr”, denn erinnert wird an den 50. Todestag des weltbekannten Physikers und an den 100. Geburtstag der Relativitaetstheorie. Und so findet der Nutzer des Kalenders viele Fotos, die die verschiedenen privaten und beruflichen Stationen Albert Einsteins festhalten, die ihn ueber Zuerich, Prag und Berlin bis nach Princeton fuehrten. Es spielt keine Rolle in welchem Abschnitt seines Lebens, immer wirkt das Genie auf den Betrachter umgaenglich, persoenlich ansprechbar und vor allem freundlich. So ist es schon ein Kuriosum, dass Einstein bereits zu Lebzeiten, das Foto in der 34. Augustwoche belegt es, im Torbogen der Riverside Church in New York gemeinsam mit weiteren beruehmten Persoenlichkeiten in Stein gemeiselt wie ein Heiliger dargestellt wird. Alltaegliche Lebenssituationen, Schnappschuesse, ruhige Augenblicke, das oft Vergaengliche und manchmal auch Bleibende halten alle 53 schwarz-weiss Fotographien des IRIS Media Kalenders 2005 fest. Auf den ersten Blick entstehen bei jedem Foto, ob nun beim gelangweilten Gesichtsausdruck des kleinen in der Schlange wartenden Moskauer Maedchens aus dem Jahre 1980 oder bei den rufenden und pfeifenden Knaben, aufgenommen um 1930, Fragen im Kopf des Betrachters. Wie lebt das Maedchen heute und was haben die grossen politischen Veraenderungen mit ihrem Leben angestellt? Wem rufen die Jungen zu und vor allem was? Jede Abbildung koennte fuer sich stehen, aber die Gestalter des Kalenders haben bei der Auswahl der einzelnen Fotos von Woche zu Woche eine bewusste Abfolge konzipiert und so einen Sinnzusammenhang hergestellt, den es zu entschluesseln gilt. Fast spielerisch ergaenzen sich die Bilder und nehmen immer wieder neue Themen auf. So folgt der protzigen, fast heiligen Arbeiterskulptur in der Moskauer Metro 1964 ein gespenstisches, weil gesichtsloses Abbild einer in sich zerfallenen Heldenfigur, aufgenommen in der Wittstocker Kaserne vor fuenf Jahren. Da reihen sich Flugbilder aneinander, Fotos, die sich mit dem Handwerk Kochen beschaeftigen, Badeszenen, Bilder, die von der koerperlichen Arbeit erzaehlen oder von unberuehrten Landschaften. Die Fotos koennten Geschichten erzaehlen und wer sich keine ausdenken mag, findet in dieser Bildersammlung sicher seine Lieblingsfotografie, die ueber die Zeit hinaus im Gedaechtnis bleiben wird. |
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