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Friedrich Schiller: Wilhelm Tell, Neu erzaehlt von Barbara Kindermann, mit Bildern von Klaus Ensikat, Kindermann Verlag, Berlin 2004, 15,50 Euro Schiller war ein ausmachter Reisemuffel und begann seine Arbeit am " Wilhelm Tell " ohne zu wissen, wie es an den Originalschauplaetzen ueberhaupt ausschaut. Des Dichters Waende schmueckten diverse Landkarten von Schweizer Kantonen und seinen Freund Koerner bat Schiller um "einige gute Schriften ueber die Schweiz". Noch 1803 plante Schiller eine Reise in die Alpen, ehe er das fertige Stueck drucken lassen wollte. Goethe behauptete spaeter, dass er Schiller bei der Beschreibung der Natur und der Handlungsorte geholfen habe. Neben seinen "Raeubern" wird " Wilhelm Tell" das meistgespielte Stueck von Schiller werden. Barbara Kindermann hat nun in altbewaehrter Form, auch in dieser Ausgabe sind die ausgewaehlten Originalzitate und Kurzpassagen kursiv gekennzeichnet, sich des Klassikers angenommen und das Werk, von dem viele nur die spektakulaere Apfelszene kennen und vielleicht auch einige Aussprueche, die mittlerweile in die Umgangssprache uebergegangen sind, wie z.B. " Der kluge Mann baut vor." oder " Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.", in eine sprachlich doch anspruchsvolle spannende Nacherzaehlung uebertragen. Barbara Kindermann kuerzt die klassischen Texte und schafft Uebergaenge, sie strafft die Handlungsstraenge und waehlt eine der Vorlage entsprechende Sprache. So geschehen bei den Klassikern der Weltliteratur " Romeo und Julia", " Nathan der Weise", "Faust" und anderen Ausgaben. Seit 2002 , auch durch den Erfolg der von der Kritik hochgelobten " Faust"-Ausgabe mit fesselnden Illustrationen von Klaus Ensikat und der attraktiven Halbleinenausstattung, haben die Klassiker fuer Kinder wieder mehr Aufmerksamkeit erlangt. Gekauft werden sie sicher, dass sie aber gelesen oder vorgelesen werden, kann man nur hoffen. Immerhin sind die Buecher fuer Kinder ab 7 Jahren gedacht. Spannend und abenteuerlich ist die Geschichte von Wilhelm Tell und seinen Kampfgefaehrten auf jeden Fall. Die Dramatik der Handlung um den Schweizerischen Befreiungskampf unterstreichen die Illustrationen von Klaus Ensikat, der meisterlich genau und mit filigranem Stift die bedrueckende Atmosphaere zwischen den Besatzern unter der Herrschaft des Landvogts Gessler und der Schweizer Bevoelkerung der drei Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden im 13. Jahrhundert einfaengt. Kraft und Tiefe gewinnt die Nacherzaehlung aus dem Zusammenspiel der klar erzaehlten Geschichte und der Weiterfuehrung in den zum Teil offenen Bildraeumen, geschaffen von Klaus Ensikat. K.H. |
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