Esslinger Verlag - ADVENTSKALENDER 2004

Annet Rudolph: Bald ist Weihnachten, kleiner Rabe!, Esslinger Verlag 2004, 7,90 Euro

Kestutis Kasparavicius: Der Weihnachtszug, Esslinger Verlag 2004, 7,90 Euro

Guido Wandrey: Weihnachtsstadt, Esslinger Verlag 2004, 8,60 Euro

Ron van der Meer: Morgen kommt der Weihnachtsmann, Esslinger Verlag 2004, 18,50 Euro

Der Adventskalender verdankt sein Dasein, wie kann es anders sein, einem quengelnden Kind, dass seine Eltern mit der typischen Frage in der Vorweihnachtszeit quaelte: Wann ist denn nun endlich Weihnachten?

Gerhard Lang hiess der Nervtoeter und seine Firmenidee, die zuerst noch "Weihnachtskalender" hiess, entwickelte seine Mutter. Sie bastelte ihrem ungeduldigen Sohn den ersten Adventskalender, um die Wartezeit auf das Christkind zu verkuerzen. In kleine Kartons mit Nummern legte sie einst Plaetzchen und der kleine Gerhard durfte jeden Tag ein Paeckchen oeffnen. In vergangenen Zeiten malten Vaeter auch 24 Kreidestriche an die Tuer, die Tag fuer Tag abgewischt werden durften oder eine Adventskerze, und das geschieht noch heute, wird taeglich angezuendet, um die langen vier Adventswochen zu ueberstehen. Der erste Kalender ging 1902 in Druck. Nach 1920 setzten sich die Adventskalender auch in anderen Laendern durch. Die Urform des Adventskalenders spiegelte aber auch sehr deutlich die paedagogische Seite der Erfindung, denn der Kalender sollte nicht nur die Spannung bis zum Heiligabend erhalten, sondern auch belehren. Der alte Kalender bestand aus zwei gleich grossen Kartonblaettern. Das eine Blatt war mit erbaulichen Spruechen bedruckt, das andere mit farbigen Bildern. Von diesen wurde jeden Tag eins ausgeschnitten und auf den Spruch geklebt, der natuerlich vorher vorgelesen wurde. Am Ende der fuenfziger Jahre des 20. Jahrhunderts kam dann der erste schokoladengefuellte Kalender auf den Markt. Er machte dem urspruenglichen Adventskalender mit seinen weihnachtlichen Motiven hinter 24 geschlossenen Fenstern, die taeglich geoeffnet werden duerfen, ziemlich Konkurrenz. Muetter oder Vaeter basteln heute fuer ihre Kinder ebenfalls sehr individuelle Kalender ausgestattet mit kleinen Paeckchen und entsprechenden Geschenken. Auch an der Spielzeugindustrie ist die Adventskalenderidee nicht vorbei gegangen.

Der Esslinger Verlag vertraut bei seinem vielfaeltigen Adventskalenderangebot immer noch auf die Magie der Bilder. Und so finden sich in seinem Sortiment zum einen die Kalender mit traditionellen Illustrationen, z.B. mit kolorierten Stichen aus dem 19. Jahrhundert, historische Adventskalender mit Engeln und der Weihnachtswerkstatt von Ernst Kutzner oder Fritz Baumgarten, aber auch Kalender mit zeittypischen Illustrationen oder bekannten Figuren aus seinem Bilderbuchrepertoire. Die Form der Kalender variiert von der Miniausgabe, ueber den dreidimensionalen Kalender bis hin zum uebergrossen Kalender, der z.B. den bekannten Raben Socke von Annet Rudolph zeigt, der gerade genuesslich sein Paket auf einem Schlitten auswickelt. Mit etwas Glimmer und Glanzfolie, ohne die Bilder zu ueberladen oder gar zu verkitschen, vertrauen die Gestalter ganz auf die Faszination und den Zauber der Motive zur Weihnachtszeit.

Einen originellen Weihnachtszug hat Kestutis Kasparavicius gezeichnet. Viele froehliche Weihnachtsmaenner fahren mit dem geschmueckten, altmodischen Zug, dessen vier Waggons vollgepackt mit Geschenken und Plueschtieren sind, durch die winterliche Nacht ueber eine Bruecke. Die Weihnachtsmaenner spielen auf ihren Musikinstrumenten und malen die Wolken mit goldenen Sternen an. Ganz nebenbei werfen sie den Enten kleine Geschenke zu. Mit diesem Kalender kann auch das ungeduldigste Kind auf Entdeckungsreise gehen und immer wieder neue Details in der grossformatigen Illustration finden. Aufgehaengt schwebt der Zug einer Wolke gleich durchs Kinderzimmer. Die moderne "Weihnachtsstadt" von Guido Wandrey kann als Kalender aufgestellt werden und laesst den Betrachter durch eine verschneite Kleinstadt spazieren, in der der Weihnachtstrubel bereits begonnen hat. Die Leute tragen Geschenke durch die Strassen, die Fenster sind festlich geschmueckt, Kinder bauen einen Schneemann, fahren Ski und werfen Schneebaelle.

Ron van der Meer hat sich einen besonders dekorativen, dreidimensionalen Adventskalender ausgedacht, den man sicher ohne neugierige Kinderaugen und kleine geschickte Finger jedes Jahr wieder aufbauen koennte. Klappt man alle Ebenen des Kalenders auf, dann steht ploetzlich eine englische, naechtliche Stadtansicht aus dem viktorianischen Zeitalter mit Haeusern und Gassen auf dem Tisch. Traumhaft schoen leuchten in den Ziegelsteingemaeuern, besonders im Puppenladen, die Lichter. Die Daecher sind dick mit Schnee bedeckt und die Weihnachtsstimmung liegt in der Luft. Eine Pferdekutsche faehrt vorbei, Leute gehen spazieren und der Weihnachtsmann fliegt bereits gutgelaunt in seinem Schlitten ueber die Daecher. Oeffnet man dann doch die Fenster und Tueren, schaut der Betrachter genau in die Wohnungen hinein und kann sich an den weihnachtlichen Dekorationen erfreuen.