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The Author: Karin Hahn is specialist critic for childrens literature and a Juror for'The Best Seven', a monthly selection of new books for children published in Germany. She broadcasts regularly for DeutschlandRadio, Antenne Brandenburg and other stations Karin Hahn produces radio plays for children and biographical radio features.

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Richard Wagner: Tristan und Isolde, In der Einspielung von Wilhelm Furtwaengler, Begleitend kommentiert von Peter Wapnewski, der hoerverlag, Muenchen 2003, 6 CD, 368 Min., 69,95 Euro

Peter Wapnewski fesselt seine Zuhoerer: mit Intelligenz, Kompetenz und einer verstaendlichen Sprache. Seine Rundfunkessays sind fuer viele Hoerer unvergesslich, denn oftmals waren sie der Grund fuer eine verlaengerte Autofahrt, um eine Sendung zu Ende hoeren zu koennen. In einem Interview vor einem Jahr berichtete Peter Wapnewski, dass er sich den Aufzeichnungen seiner Lebenserinnerungen widmen wolle. Den 81-Jaehrigen holt nun ungekanntes oder doch gewusstes, verdraengtes Wissen ein, die Mitgliedschaft in der NSDAP. Es sei dahingestellt, wer ihm eine Mitgliedsnummer zugeteilt und versaeumt hat, ihn nicht von seiner Parteimitgliedschaft in Kenntnis zu setzen. Es mag andere bedeutende Zeitgenossen gegeben haben, die sich ihre eigene Biographie zusammengeschrieben haben. Auch wenn Peter Wapnewski auf dem Fragebogen der britischen Militaerregierung einiges weggelassen hat, ohne ihn waere die Mittelalterforschung um einen Denker aermer, der es versteht, die Zeit der literarischen Hochzeit des Mittelalters dem heute Interessierten nahe zu bringen. Peter Wapnewski, bedeutender Germanist und Gruendungsrektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin, Verfasser forschungsgeschichtlicher Aufsaetze, Buecher und Essays zur Literatur des Mittelalters, u.a. Der Parzifal des Wolfram von Eschenbach, Das Nibelungenlied, Die Gedichte des Walter von der Vogelweide und Der Tristan des Gottfried von Strassburg. Immer wieder hat sich der Wissenschaftler mit dem Leben und Schaffen Richard Wagners auseinandergesetzt. So liegt es nah, sich dem monumentalen Werk " Tristan und Isolde ", einer Oper ueber Liebe, Macht, Ruhm, Freundschaft, Treue, Ritterlichkeit, aber auch Sehnsucht, Erloesung, Verrat und Tod zu widmen. 1865 in Muenchen uraufgefuehrt, aehnelte die Tristan Sage den eigenen Erlebnissen Wagners in dieser Zeit. Richard Wagner unterbrach die Arbeiten am " Ring des Nibelungen", um ein leichter auffuehrbares Werk zu schaffen, was sich als Irrtum erwies. " Tristan und Isolde ", ein Opernklassiker der hoeste Anforderungen an Saenger, Musiker und Hoerer stellt. Peter Wapnewski waehlte fuer seine Besprechung die legendaere Einspielung des Philharmonia Orchestra, 1952, in der neu gemasterten Fassung von 2001. Unter der Leitung von Wilhelm Fuertwaengler sangen Ludwig Suthaus, Kirsten Flagstad und Dietrich Fischer - Dieskau, u.a. Ist die aeussere Handlung auf ein Mindestmass komprimiert, durchdringen

die Leitmotive aus dem Vorspiel die gesamte Oper und ueber den Text hinaus, liegt die Konzentration des Werkes auf den inneren, psychischen Konflikte der handelnden Hauptfiguren. Mit Peter Wapnewski an seiner Seite naehert sich der Hoerer der Gefuehls- und Gedankenwelt des Mittelalters und Richard Wagners opernaesthetischen Ideen. Alte Opernformen spielen keine Rolle mehr, Wagner entschied sich fuer die Einheitlichkeit, einen durchgehenden deklamatorischen Stil. Unakademisch, klar, gedanklich genau, empfindsam und voller Eleganz und Bodenstaendigkeit bei aller Achtung vor dem komplizierten Stoff erzaehlt Peter Wapnewski von einer der schoensten Liebesgeschichten. Wapnewski zieht Parallelen zum mittelalterlichen Text des Gottfried von Strassburg, zitiert und deutet Verse, begibt sich auf die Suche nach den ethymologischen Quellen der Woerter, taucht tief mit dem Hoerer in die Denkweise der Protagonisten ein, charakterisiert sie, haucht ihnen Leben ein und knuepft Verbindungen bis hin zu aktuellen Themen. Peter Wapnewski schaut nicht vom Elfenbeinturm herab, er ist ein unpraetenzioeser, verlaesslicher und zum Ende hin vertrauter Begleiter durch ein Drama vom " eigentlichen Glueck der Liebe ".

K.H.