The Author: Karin Hahn is specialist critic for childrens literature and a Juror for'The Best Seven', a monthly selection of new books for children published in Germany. She broadcasts regularly for DeutschlandRadio, Antenne Brandenburg and other stations Karin Hahn produces radio plays for children and biographical radio features.
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| LITERATUR
Ann Patchett: Bel Canto, Piper Verlag, München 2003, 377 Seiten, 19,90 EUR Fast kein Tag vergeht mehr an dem nicht die Nachrichten ueber terroristische Anschlaege, Geiselnahmen auch deutscher Touristen, Selbstmordattentaeter, ob es Tschetschenen oder Palaestinenser sind, berichten. Sehr realitaetsnah dann auch die Idee zum Roman. Sie entstand laut Klappentext aus der Geiselnahme der japanischen Botschaft durch Guerillas in Lima 1996. Ann Patchett, fuer ihren dritten Roman "Bel Canto" wurde sie mit dem PEN/Faulkner-Prize und dem britischen Orange Prize for Fiction ausgezeichnet, greift diesen gewaltsamen Uebergriff auf und spinnt daraus eine fesselnde Geschichte. In einem ungenannten Staat, Landessprache spanisch, findet eine Geburtstagsparty zu Ehren des japanischen Industriellen Katsumi Hosokawa im Hause des Vizepraesidenten Ruben Iglesias statt. Hosokawa hat nicht das geringste Interesse Investitionen in dem ungeliebten, unsicheren Land zu taetigen. Seine Zusage ist nur dem Auftritt der bekannten amerikanischen Sopranistin Roxane Coss zu verdanken, die er verehrt. Kurz nachdem die letzten Toene der Arie der Rusalka von Antonin Dvorak verklungen sind, stuerzt eine Gruppe terroristischer Kaempfer durch die Luftschaechte des Hausese in die illustre Gesellschaft der Diplomaten, Industriellen und Politiker. Doch den Praesidenten, den die Untergrundkaempfer in ihre Gewalt bekommen wollten, ist der Einladung nicht gefolgt, denn er zog es vor zu Hause seine Lieblingssoup im Fernsehen anzuschauen. Auf das erzwungene Zusammenspiel der Protagonisten im Innenraum der Villa konzentriert sich nun die gesamte Handlung. Ann Patchett verknuepft dabei psychologisch sehr geschickt die Schicksale der Kindersoldaten mit denen der Geisel. Ungeahnte Talente der jungen Kaempfer und Kaempferinnen treten zu Tage und verblueffen nicht nur sie selbst. Nur der Ausnahmesituation ist es zu verdanken, dass sich die Sopranistin und ihr Verehrer nahe kommen. Etwas unglaubwuerdig die Tatsache, dass der japanische Geschaeftsmann kein englisch beherrscht. " Bel Canto" preist die Kraft der Musik, die die ausweglose Lage der Gefangenen entspannt und sogar die selbsternannten Generaele bewegt. Als koennte die Todesahnung auf beiden Seiten hinweggesungen werden. Schnell wird klar, dass keine Geisel von den Terroristen erschossen wird. Die ungeuebten Kidnapper fuehren ihre Verhandlungen mit wenig Geschick und bald entwickelt sich ein Eigenleben in der Villa, dass nicht mehr unter der Kontrolle der Generaele ist. Einem grossen Opernszenario gleich beginnt der Roman von Ann Patchett mit einem noch harmlosen Vorspiel. Verschiedene Protagonisten treffen aufeinander, die Spannung steigert sich von Akt zu Akt, um dann in einem grossen, tragischen Finale zu enden. K.H. |
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