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BILDERBUECHER - KARIN HAHN Autoren:Philip Waechter, Max Kruse, Sophie Schmid, Manuela Otten, Rotraut Susanne Berner, Martin Karau, Barbara Treskatis,Wolf Erlbruch, Antje Damm, Brigitte Luciani, Vanessa Hie, Tove Appelgren, Salla Savolainen, Axel Scheffler, Kate Petty, Doris Doerrie. Philip Waechter: ICH, Beltz & Gelberg, Weinheim 2004, 9,90 Euro Ein kleingeschriebenes, fast unbeholfenes, rotes “ich” steht oben auf dem Cover und darunter posiert ein freundlicher den Betrachter beobachtender Baer, der zu denken scheint: Hier bin ich und wer bist du? Fuer den braunen, runden Baer jedenfalls ist die Welt in Ordnung. Er steht im Zentrum des Universums und fuehlt sich pudelwohl. Voller Selbstbewusstsein geht der Baer seinen Weg und jede seiner auch grossspurigen Selbstentauesserungen bricht Philip Waechter in seinen sparsamen nur auf das Wesentliche konzentrierten Illustrationen mit augenzwinkernder Ironie. So ruehmt sich der Baer, dass er gerne abgibt. Aber aus der riesigen Tuete voller Bonbons rueckt er nur eine kleine Suessigkeit heraus. Vor keinem Polizisten hat er Angst, aber die winzigste Spinne laesst ihn unter die Decke kriechen. Wenn er behauptet, dass er mutig ist, dann ist das fuer ihn auch kein Kunststueck, einen kleinen, wenn auch baerbeissigen Hund zu vertreiben. Bei aller Selbstverliebtheit und Weltgewandtheit hat der Baer aber auch graue, einsame Tage und dann nagt da doch etwas an seiner optimistischen Lebenseinstellung. Flugs laeuft er in den Wald zur Liebsten, bei der er wieder ganz er selbst sein kann. PhilipWaechter portraetiert in seinem Bilderbuch leicht und unangestrengt ein Kind oder einen frohen Menschen, der sich mit Distanz und Humor in jedem Bild wieder erkennen kann. Auch wenn die Baeren im Bilderbuch Konjunktur haben, ist dieser symphatische Zeitgenosse dank der wunderbaren Komik PhilipWaechters, man schaue nur die Beinstellung des Baeren beim Memoryspiel an, eine Bereicherung. Ein Buch das einfach gute Laune macht. K.H. Max Kruse, Sophie Schmid: Vom Mann und der Gans, Sauerlaender Verlag, Duesseldorf 2004, 13,90 Euro Auf den allerersten Blick scheinen die Gans mit der Blume und der allzu rundliche Mann ohne Hals mit der auffaelligen, langen Nase sehr froh miteinander zu sein. Sie sitzt auf seinem Ruecken wie ein uebermuetiges Kind und laesst sich tragen. Gefunden hat der Mann die Gans am Wegesrand und einfach mitgenommen. Seine Frau, die der Witwe Bolte zum verwechseln aehnlich sieht, verlaesst unter zickigem Protest die Wohnung. Da scheint der Haussegen schon laenger schief zu haengen. Egal, der Mann moechte ein lebendiges Wesen an seiner Seite haben, mit dem er sich versteht. Mit seinen Pantoffeln, einem Bier und der Gans macht er es sich vor dem Fernseher gemuetlich. Die Gans darf das Programm auswaehlen. Wie ein Kind wird die Gans dann auch in alle menschlichen Gewohnheiten eingefuehrt. Doch das Federvieh reagiert auf keine Belehrung. “ Die Gans guckte nur.” Als der Mann sie dann wie einen Hund an die Leine nimmt und seinen taeglichen Verrichtungen nachgeht, wird die Gans immer trauriger. Einkaufstrubel, Strassenlaerm! Die Gans will zu ihrer Gaensescharr zurueck. Max Kruse erzaehlt eine Geschichte vom Streit, den ein anderer, in diesem Fall die Gans, schlichten soll. Das Zusammenleben hat so seine Tuecken und Vollkommen ist es sicher nie. Skurril, dabei nicht unsympathisch und seltsam wie die Geschichte sind auch die Figuren, die sich Sophie Schmid ausgedacht hat. Ein subtiles Spiel von Ernst und Witz. Ein Buch zum Schmunzeln! K.H. Manuela Otten: Echte Kerle, Bajazzo Verlag, Zuerich 2004, 12,90 Euro Aus den Angeln koennten sie die Welt heben und lachen bis zum Umfallen - zwei starke Jungen, frech wie Oskar. Abends im Bett quatschen die beiden Kerle und machen sich lustig ueber Maedchen. Maedchen sind Angsthasen und pinkeln sich ins Hemd, wenn sie nur an Gespenster denken. Zwar tummeln sich auf der Bettwaesche der Jungen kleine Gespenster, doch als das magische Wort: “Gespenster” dann faellt, bricht alles zusammen. Und wer kriecht da ins Bett der schlafenden Schwester vor Angst? Unsere beiden Helden. Aus ist es mit der Protzerei und dem starken Getue. Manuela Ottens Erstlingswerk kitzelt die Schadenfreude bei den Maedchen hervor, die sich dieses Buch ansehen, denn nur sie haben den allergroessten Spass beim Betrachten dieser beiden Kerle. K.H. Rotraut Susanne Berner: Fruehlings - Wimmelbuch, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2003, 12,90 Euro Nach dem “Winter-Wimmelbuch” folgt nun das “ Fruehlings - Wimmelbuch” und laut Ankuendigung des Verlages werden sich Sommer und Herbst anschliessen. Angefuellt mit vielen kleinen Details erzaehlt Rotraut Susanne Berner ohne Worte zahlreiche Alltagsgeschichten von Menschen und Tieren. Gleich haelt das orangefarbene Muellauto am unteren Bildrand, ein Fuchs wuehlt im Container und Susanne faehrt mit ihrem Roller in die Stadt. Langsam kuendigt sich der Fruehling mit seinem zartem Gruen an. Weiter geht die Fahrt aus dem laendlichen Vorort in eine idyllische Kleinstadt. Auf jedem Bild finden sich alle agierenden Figuren wieder. Tueren und Mauern werden fuer Innenansichten in Haeuser, einen Bahnhof oder ein Kulturzentrum geoeffnet. Mit Leichtigkeit und Witz zeichnet die bekannte Illustratorin ihre Beobachtungen und macht den Betrachter zum Zuschauer, Entdecker und Fragensteller. Seit Ali Mitgutsch gibt es sie, die Wimmelbuecher. Bei Rotraut Susanne Berner jedoch liegt die Konzentration nicht auf den grossen starren Tableaus, sondern in der Bewegung der zahlreichen Figuren. Wuerde man die einzelnen sieben riesenformatigen dicken Doppelpappseiten aneinanderlegen, dann koennte man aus den einzelnen Teilen ein grosses Gesamtbild zusammensetzen. K.H. Martin Karau, Barbara Treskatis: Jakob der Traeumer, Aufbau Verlag, Berlin 2004, 15 Euro Kurz vor dem Einschlafen beginnt Jakob ein aufregendes Ideenspiel. Was waere, wenn er im Krankenhaus vertauscht worden ist und seine Eltern koeniglichen Gebluets sind? Im lockeren Zwiegespraech mit seinem Gummisaurier gleitet der ernste Jakob in der Daemmerung langsam in seine Traeume und spielt alle Moeglichkeiten eines wilden Jungenlebens durch. Er koennte als Pirat seinen Schatz gegen den blutruenstigen Bootsmannsmaat verteidigen oder als Naturforscher einem Waran begegnen, der unbedingt einen roten Apfel haben will. Ob in der Wueste, auf dem Meeresboden oder auf der Venus, auffallend in allen Bildern von Barbara Treskatis sind die warmen Rottoene, die den Text von Martin Karau mal geheimnisvoll und dann wieder ganz bodenstaendig begleiten und viel Raum fuer eigene Fantasien lassen. K.H. Wolf Erlbruch: Die grosse Frage, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2004, 14,90 Euro Dieses Bilderbuch erhalten alle Neugeborenen des franzoesischen Departments Val-de-Marne geschenkt. Und sie sind zu beneiden. Wolf Erlbruch wurde von der Kulturdezernentin gebeten, sich ein Thema auszudenken, dass die Kinder lange begleiten soll und so entstand “ Die grosse Frage”. Der bekannte Illustrator geht in seinem neuesten Bilderbuch einer philosophischen Frage nach, die sich irgendwann jedes Kind, jeder Erwachsene stellt: Warum bin ich auf der Welt? Auf schmalen Doppelseiten sammelt Wolf Erlbruch begleitet von sparsamen Illustrationen die 21 Antworten, mal ganz ernsthaft, dann wieder mit einem Augenzwinkern oder ironisch gebrochen. “ Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.” Die Familienmitglieder beantworten die Frage sehr emotional, der Stein ganz pragmatisch: “ Du bist da, um da zu sein.” Und die Gans hat keine Ahnung, warum sie auf der Welt ist. Auch gut. Der Vogel, der Baecker, der Matrose, alle versuchen die existentielle Frage zu beantworten und treten damit in einen Dialog. Wolf Erlbruch haelt wie immer in seinen Bildern die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor. Am Ende des Buches ist eine Doppelseite dazu gedacht, dass der Besitzer des Buches seine eigenen Ideen ueber den Zweck seines Lebens auf dem Planeten Erde festhalten kann. K.H. Antje Damm: Kathrinchen, was soll bloss aus dir werden?, Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2004, 9,90 Euro Nach den 44 Fragen in “ Ist 7 viel? ”, letztes Jahr im Moritz Verlag erschienen, steht bei diesem neuen Bilderbuch von Antje Damm nur eine im Mittelpunkt der Geschichte: “Was soll bloss aus dir werden?”. Gerichtet ist dieser sorgenvolle, muetterliche Seufzer auf fast jeder Seite an das wilde Kathrinchen, das ein so ungewoehnlich schwieriges Kind ist oder doch nicht? Kathrinchen ist experimentierfreudig, mag Spinnen und sagt, was sie denkt. Die Berufswahl ist fuer das muntere Maedchen gar kein Problem. Sie wird Loewenfrau oder Wolkenkratzerarchitektin oder Pommeskoechin. Zum Entsetzen ihrer Umwelt ist sie gnadenlos ehrlich und spontan, eine Schwester Pippi Langstrumpfs, nicht nur wegen der prachtvollen Haarmaehne. Kathrinchen laesst sich nicht baendigen, von niemandem. Andere Kinder tragen einen Plueschteddy durch die Gegend, Kathrinchen begleitet Kaktus Willi. Antje Damm nutzt alle Moeglichkeiten der Typographie als gestalterisches Mittel, um ihre Geschichte vom unbequemen, nicht gerade pflegeleichten, nervigen Kind zu erzaehlen. Auch wenn Kathrinchens Mama sich trotz kluger Ratgeber grosse Sorgen um die Zukunft ihrer autonomen Tochter macht, aus dem Maedchen wird sicher mal ein wunderbar eigenwilliger Mensch. K.H. Brigitte Luciani, Vanessa Hie: Die Hempels raeumen auf!, Michael Neugebauer Verlag, 2004, 12,90 Euro “Bei dir sieht’s aus, wie bei Hempels unterm Bett.” Wer kennt ihn nicht, diesen zwar launigen und doch aergerlichen Spruch? Wenn man jedoch zur Familie Hempel kommt, dann ist “ bunte Unordnung ” erlaubt. Und sie enttaeuscht uns nicht. Da klemmt die Zahnbuerste als Lesezeichen in einem dicken Buch, das Kopfkissen versteckt sich im Einkaufswagen und das Bild liegt im Bett. Als die vierkoepfige Familie jedoch den Schneebesen zum Kuchenbacken sucht, herrscht kurzzeitig Chaos. Da hilft nur eines: Ordnung schaffen. Vanessa Hie laesst Raeumlichkeit und Schatten weg und spielt munter mit den Perspektiven. Die kurzen Texte von Brigitte Luciani beschaeftigen auch gleich den kindlichen Betrachter und lassen ihn wie in einem Spiel an der Suche von Raum zu Raum teilnehmen. Ein farbenfrohes, schraeges Buch fuer alle die aufraeumen muessen, aber im tiefsten innern lieber so wohnen wuerden wie die ausgelassene Familie Hempel. K.H. Tove Appelgren, Salla Savolainen: Josefine will nicht schlafen gehen, Friedrich Oetinger Verlag, Hamburg 2004, 12 Euro Josefine meldet sich mit einer neuen Geschichte aus dem Alltag zurueck. Heute findet sie nicht alles doof, heute will Josefine nicht ins Bett. Die kleine Schwester Wendla traeumt bereits tief und fest als Josefine ein lautes Lachen aus dem Nebenraum hoert. Mit klarer Bestimmtheit schickt Mama Josefine immer wieder ins Bett. In allen Raeume der Wohnung findet sich der chaotisch verteilte Kinderkram der fuenfkoepfigen Familie. Aber trotz gemuetlicher Unordnung setzen Papa und Mama klare Grenzen und eine heisst: Mama ist schwanger, braucht ihren Schlaf und aus diesem Grund soll Josefine sich auch nicht in jeder Nacht im Elternbett breit machen. Aber das Maedchen hat ein grosses Problem. Mitten in der Nacht wacht sie auf und fuerchtet sich. Auch wenn Mama an Josefines Vernunft appeliert, heisst das noch lange nicht, dass die Alptraeume nicht immer wieder kommen. Josefines Angst muss gar nicht bildlich gross dargestellt werden, denn jedes Kind kennt diese Empfindungen und die Sehnsucht seiner Nachtangst zu entfliehen. Josefine schwankt zwischen dem dringlichen Wunsch nach Sicherheit und einer neuen Angst, ihre Mama zu stoeren. Mit sich selbst jedoch kann Josefine den Konflikt nicht austragen, erst der Zufall bringt das Problem ans Licht. Mit ihren detailreichen, witzigen Zeichnungen hat Salla Savolainen ein pralles, lebendiges Familienleben eingefangen, in dem das Miteinanderreden das Allerwichtigste ist. K.H. Axel Scheffler, Kate Petty: Ben und sein Schmetterlingsgarten, Ein Klapp-Bilderbuch, Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2004, 9,90 Euro Jedes Fruehjahr wiederholt es sich: Die Erzieherinnen im Kindergarten beginnen mit der Gartenarbeit. Ein Muss fuer alle Stadtkinder! Natuerlich werden dann auch immer die gleichen Bitten an die Eltern geauessert: Wer kann Samen kaufen, Blumentoepfe oder Blumenerde ankarren? Vielleicht sollte einer das wunderbare Buch von Axel Scheffler und Kate Petty “ Ben und sein Schmetterlingsgarten “ mitbringen. Ben, der Baer, beschliesst eine sonnige Ecke in seinem Garten neu zu bepflanzen. Regenwurm und Marienkaefer assistieren und haben gleich eine Idee. Zu den Blumen sollte sich Ben gleich eine Scharr Schmetterlinge zulegen. Ben saet nun Loewenmaul, Schleifenblume, Steinkraut und Goldlack aus, denn Schmetterlinge lieben diese Pflanzen ganz besonders. Ein paar Brennnesseln laesst er stehen. Nun kann er nach und nach beobachten, wie aus den Eiern unter den Brennesselblaettern Raupen schluepfen, diese sich verpuppen und eines besonderen Tages Schmetterlinge schluepfen. Allerdings wird Bens Gesicht immer laenger, denn irgendwie dauert alles zu lang. Spielerisch lernen die Kinder, indem sie Pappklappen oeffnen, wie die Blumen wachsen und sie koennen mit dem ungeduldigen Ben die Entwicklung der Schmetterlinge verfolgen. Am Ende ueberrascht den Betrachter dieser gut kombinierten Geschichte um Flora und Fauna ein wundervoller Strauss aus Blumen und Schmetterlingen! Wer kann sollte unbedingt alles nacherleben, was Ben in seinem Garten vormacht. Buecher sind zwar toll, aber ein Blumenmeer mit Schmetterlingen ist noch schoener! K.H. Doris Doerrie: Mimi ist sauer, Mit Illustrationen von Julia Kaergel, Diogenes Verlag, Zuerich 2004, 14,90 Euro Wie auch in den vorangegangenen Bilderbuchgeschichten greift Doris Doerrie in die beliebte Muetter-Erfahrungskiste. Wie schnell ruscht wuetenden Muettern ein garstiges Schimpfwort aus dem Mund. Mimi ist sauer auf ihre Mutter. Wie kann sie Ferkel zu ihr sagen? Gut, die Bananenschale hat nichts im Schrank verloren und ein Butterbrot im Bett ist auch nicht in Ordnung. Trotzdem! Mimi schlaegt mit Worten zurueck: “ Du bist eine Kuh.” Nur eine entspannte Mutter kann nun mit seinem Ferkelkind eine witzige Alltagsgeschichte entwerfen, in der alle Protagonisten in ihre Tierrollen schluepfen. Die Mutter ist die Kuh, das Kind das Ferkel und der Vater koennte der Esel sein. Mit der fantasiereichen Textvorlage von Doris Doerrie kann Julia Kaergel die absurdesten Bilder entwerfen. Sehr komisch ist die Mutter als Kuh, die ihre Fladen in der Wohnung fallen laesst, fuer frische Milch sorgt und auf der Bank beim Spielplatz neben den normalen Muettern sitzend froehlich strickt. Mimi als Ferkel darf sich im Dreck suehlen, den Abfalleimer leerfressen und nach Herzenslust grunzen. Der Eselpapa liest ein Buch uebers Landleben. Aber trotz lustigem Ideenspiel moechten weder Mutter noch Tochter mit Tiernamen beschimpft werden. Am Ende koennen sich beide darauf einigen, dass die einer weder ein Ferkel noch die andere ein Kuh ist. Wer jedoch Lust auf ein Rollenspiel hat, der kann mit den Tiermasken aus fester Pappe, die im Buch eingelegt sind, sich in Schwein oder Kuh verwandeln. K.H. |
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