Karin Hahn specialises in Children's Literature and co-ordinates Content-TV's book reviews, alongside her regular contributions.
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SACHBUECHER UEBER BILDUNG UND ERZIEHUNG Karin Hahn _______________________________________________________________________ Marga Bayerwaltes, Große Pause! Nachdenken über Schule, Kunstmann Verlag, 2002 Gott sei Dank, hat Marga Bayerwaltes in ihrem Sabbatjahr kein Kinderbuch geschrieben, sondern einen sehr persönlichen, klugen und informativen Text über ihr größtes Problem - ihren Überlebenskampf als Lehrerin. Und damit hat sie ein Tabu gebrochen, denn kein Lehrer, der das Lehrerzimmer, welcher Schule auch immer, betritt, würde über seine Schwierigkeiten im Unterricht, mit Schülern, Eltern oder sich selbst sprechen. Würde er das tun, dann hieße es, er sei unfähig. Marga Bayerwalters ist das auf keinen Fall. Sie ist einfach nur ehrlich und das macht ihre tagebuchartigen Reflexionen und Argumentationsketten über ihr unerträgliches Lehrerdasein, das Zweifeln und Verzweifeln an der Unfähigkeit der Schüler etwas zu lernen, ihr eigenes Unvermögen nach langen Arbeitsjahren mehr sie selbst zu sein, so lesenswert. Ihre Gedanken zur Arbeit in der Schule, wie der Mensch, denn sein soll, der den Lehrerberuf wählt, über die gesellschaftliche Mißachtung dieses Berufsstandes, dem Bild Schule, daß in den Medien neuerdings verbreitet, wird, sind provozierend, humorvoll und überzeugend. Immer wieder kommt sie auf den wohl wichtigsten Punkt zurück: das Leben der Kinder. Um dem Gefühl der inneren Selbstzerstörung zu entkommen, war eine lange Pause für die Autorin und ein Draufblick auf das berufliche Dilemma der einzige produktive Ausweg. Schade ist nur, daß die die sich mit dem Buch der kritischen Lehrerin auseinandersetzen sollten, dieses nicht lesen werden. Sie investieren nach den erschreckenden Ergebnissen der Pisa-Studie ihre kostbare Zeit sicher in neue übereilte Schulreformprojekte. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------ Donata Elschenbroich, Weltwissen der Siebenjährigen, Wie die Kinder die Welt entdecken können, Kunstmann Verlag, 2001 „ Was sollte heute ein Kind in den ersten sieben Lebensjahren wissen, können, erfahren haben? Womit sollte es zumindest in Berührung gekommen sein?” Gefragt wurden in über 150 Gesprächen zwischen 1996 bis 1999 Menschen aus allen Lebensbereichen, Hirnforscher, Eltern, Pädagogen, Arbeitslose, eine Analphabetin, Unternehmer, Verkäufer, Arbeitslose. Am Ende ist ein umfangreicher Katalog entstanden, der die sozialen, motorischen, lebensnahen Fähigkeiten, die kognitiven und ästhetischen Erfahrungen, die Fertigkeiten und Kenntnisse beim Aneignen des „Welt-Wissens” ohne Dogmen zusammenträgt. Auch in dieser Studie bleibt der kritische Blick in die verschiedenen Erziehungseinrichtungen unserer Wissensgesellschaft nicht aus. Aber Donata Elschenbroich will keinen Pessimismus verbreiten, sondern Mut, Mut zum positiven Blick auf das Kind, das nicht spielt, sondern immer lernt. Wissen heißt bei ihr nicht lang reden, sondern etwas tun können. Ob es nun darum geht, daß ein Kind einige Tage seines Lebens in einem Wald gewesen sein sollte, in den Bach gefallen sein sollte oder einfach in der Lage sein sollte, ein chinesisches, arabisches oder kyrillisches Zeichen malen zu können. Trotz wissenschaftlichem Hintergrund ist das Buch äußerst unterhaltsam und lebendig geschrieben. Die Autorin erweitert mit ihren Gesprächen, Exkursen in Kitas, die auf ihr Spielzeug ganz verzichten oder ihre Tage nur in der Natur verbringen, den Horizont nicht nur von Eltern, sondern schafft es ohne belehrende Attitüden die frühen Kindheitsjahre, vom Kind im Bauch der Mutter bis zum Siebenjährigen, für den Leser bewußter zu durchdenken. --------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Tahar Ben Jelloun, Papa, was ist der Islam? Gespräch mit meinen Kindern, Berlin Verlag, 2002 In der heutigen Zeit ist es fast unglaublich, daß eine Frau im Namen Allahs für die Geburt eines unehelichen Kindes von Islamisten gesteinigt werden soll. Jüngstes Beispiel - der Fall der Muslimin Safiya Hussaini in Nigeria. Angesichts dieser tödlichen Wahrheit ist es schwer, ein Buch über den Islam, der seit dem 11. September 2001 auch mit den Attentaten in New York und Washington in Verbindung gebracht wird, zu schreiben. Ein Buch für Kinder! Die Identitäten der muslimischen Terroristen sind dann auch der Ausgangspunkt für die Zweifel der siebenjährigen Tochter des Autors. Sie möchte nicht mehr Muslimin sein. Tahar Ben Jelloun unternimmt nun als Vater den Versuch, auf eine einfache, klar verständliche Weise die Leser durch die Gedankenwelt und Geschichte des Islam mitzunehmen, ihnen die friedfertigen, menschenachtenden Inhalte der jüngsten Weltreligion darzulegen. Großen Wert legt er auf die Blütezeit der islamischen Kultur, die Gelehrtheit der Araber und ihren bedeutenden Entwicklungsstand, der die westlichen Kulturen nicht unbeeinflußt ließ. Doch im Laufe der Abhandlung fungieren die Kinder mit ihren Fragen wie Stichwortgeber und das nimmt dem Buch die ursprünglich angedachte Authentizität. Und doch, ein wichtiges Buch gegen Vorurteile und Intoleranz. |
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