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The Author: Karin Hahn is specialist critic for childrens literature and a Juror for'The Best Seven', a monthly selection of new books for children published in Germany. She broadcasts regularly for DeutschlandRadio, Antenne Brandenburg and other stations Karin Hahn produces radio plays for children and biographical radio features.

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LITERATUR - Sommer 2002

KARIN HAHN

Steve Martin, Shopgirl, Manhattan, 190 Seiten, 17.90 Euro

Mirabelle Butterfields Leben als Frau, die auf die 30 zugeht, ist nicht gerade aufregend. Jeden Tag steht sie schön anzusehen aber gelangweilt in der Handschuhabteilung eines Kaufhauses und „ verkauft somit Dinge, die niemand mehr kauft”. Um das Leben in der Warteschleife zu verlassen, trifft sie sich mit Jeremy. Zwischen beider Welten klafft jedoch ein Abgrund. Die verträumte Mirabelle, die ohne ihre Antidepressiva keinen Schritt vor die Tür setzt, sieht sich als Künstlerin. Jeremys Gedankenwelt folgt einem einfacheren Strickmuster.

„ Man sieht ihm an, dass er neunzig werden wird - nur fragt man sich: ” Wozu eigentlich?”.

Nicht lang und ein zweiter Mann probt seinen strahlenden Auftritt in Mirabelles Leben. Der reiche Geschäftsmann Ray Porter taucht im Kaufhaus in Beverly Hills auf und liest ihr die Wünsche von den Augen ab. Nun könnte sich für Mirabelle alles zum Guten wenden. Nur leider sind die Gefühle und Erwartungen des einen nicht immer die des anderen.

Mit einer Spur Tristesse, nüchterner, distanzierter Beobachtung, wohldosierter Komik und schwarzem Humor treibt Steve Martin die Liebesgeschichte voran und steuert auf ein ziemlich unerwartetes Happy End zu. Steve Martin, in unseren Breiten eher als vielseitiger Schauspieler ( Der Vater der Braut, Roxanne, L.A. Story ) bekannt, zeigt mit „Shopgirl”, daß er auch ein guter Menschenbeobachter und Autor ist. Und er wäre nicht Steve Martin, wenn er nicht eine witzige Danksagung schreiben würde und diese sollte man auf keinen Fall überblättern.

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Stefan Beuse, Die Nacht der Könige, Piper, 212 Seiten 17.90 Euro

„Die Nacht der Könige” ist ein verwirrender Roman. Stickig heiß ist es am Beginn des Romans und dieses Klima soll sich auch bis zum Ende nicht ändern. Flimmernd unklar, einer Fata Morgana gleich, erscheinen Jakob Winter, gestandener Werbetexter, längst vergessene Bilder, die immer näher auf ihn zukommen. In seinem neuen Auftraggeber, Dr.Korff, Chef des Hamburger Klimatechnikunternehmens C & S, glaubt er einen Bekannten wieder zu erkennen, der ihn jedoch an ein alptraumartiges, längst verdrängtes Erlebnis erinnert. „Der Stärkere wird gewinnen”, sagte Korff scheinbar ohne jeden Zusammenhang; er sah ihn dabei direkt an, und Winter spürt, wie sich seine Kehle zuschnürte. Plätschert an der Oberfläche eine normale Geschichte über Arbeit, Liebe und Alltag, so lauert in den Tiefenschichten das Unerklärliche und Geheimnisvolle. Nach und nach versucht jemand Winters Gedächtnis aufzufrischen und sein sicheres Lebensgefühl in Frage zu stellen. Doch wo spielt der Autor mit der wahrscheinlichen Wahrheit, Jakob Winter war vor zehn Jahren Teilnehmer eines harten Motivations-Seminars, das die Probanden in einer Welle von Demütigungen und aufbauenden Phasen an den Rand der Existenz brachte, und an welcher Stelle verschwimmen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit? Eine Kriminalstory wird eingeblendet und in Andeutungen ahnt man ein ungewohntes Ausmaß an Grausigkeiten oder sind auch das nur Fantasien, Täuschungen, Fieberträume?

Psychologisch ausgeklügelt überläßt Stefan Beuse die Deutungen dem Leser, der sich aus den einzelnen Elementen der Handlung mögliche Erklärungen zusammensetzen kann.

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Marie Hermanson, Die Schmetterlingsfrau, Suhrkamp, 242 Seiten, 19.90 Euro

„ Ich bin siebenunddreißig Jahre alt. Ich habe keinen Mann. Keine Kinder. Keine Katze. Aber ich habe drei Schmetterlingspuppen im linken Oberschenkel.”

Anna verdankt dieses Urlaubsmitbringsel ihrem Aufenthalt auf Borneo. Eigentlich war diese Reise eher als Zerstreuung gedacht, nachdem sich ihr langjähriger Geliebter Roger, wie immer ein verheirateter Mann, von ihr getrennt hatte. Die Recentia alba hat sich nun Anna als Wirtstier anstelle des ausgestorbenen Urisaffen ausgesucht. Dr. Willof, Tropenexperte und Insektenforscher, kann Anna überreden, die Schmetterlinge auszutragen. Im Glauben der Wissenschaft zu dienen, begibt sich Anna, freiwillig in die Hände Willofs und läßt sich als Leihmutter in ein Glashaus voller exotischer Insekten einschließen. Die Schmetterlingspuppen in ihrem Bein lassen Anna die Außenwelt und die so arg gehütete Kontrolle über sich und ihr Leben vergessen. Ihre Gedanken verweben sich immer mehr mit Vergangenem, ihrer Freundschaft zu Liselott und der ersten wirklichen Auseinandersetzung mit dem Geliebten.

In Marie Hermansons 2000 erschienenen Roman „Muschelstrand”, ebenfalls bei Suhrkamp, taucht ebenfalls das Motiv des Fremden, Unerklärlichen auf. Im Wechsel von gegenwärtiger Handlung und Rückblenden erzeugt die schwedische Autorin eine ungewöhnliche innere Spannung. In die intakte, nach außen hin harmonisch wirkende Familie Gattmann dringt das indische Mädchen Maja mit ihrer autonomen Lebensweise ein und zersprengt das Familiengefüge. Und so verursacht auch in „ Die Schmetterlingsfrau” ein möglicherweise imaginärer Fremdkörper ein Gespinst von Ungewißheiten, Wunschvorstellungen und Erwartungen.

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Nina de Gramont, Von Katzen und Männern, Aufbau -Verlag, 272 Seiten, Euro 16.50

Auf höchst unterhaltsame Weise erzählt Nina de Gramont nicht nur von Männern und Katzen, sondern auch von Frauen, denen oftmals die Vierbeiner gehören. Neben den Protagonisten tauchen in den zehn Erzählungen fast nebenbei verschiedene Katzencharaktere auf. Mal schmusig veranlagt, verwöhnt und hochnäsig, ängstlich oder forsch, dann wieder freiheitsliebend ohne jeden Anspruch an den Besitzer, ganz zu schweigen von einem Treueversprechen, bahnen sich die Tiere ihren eigenen Weg. So erzählt die Geschichte „Der höfliche Umgang unter Königen” zum einen von der neuen Liebe zwischen Anne und Dante, zum anderen von ihren Familien, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Dantes Clan, Mutter und Schwester, legt ein absolut kindisches Benehmen an den Tag, unkontrolliert, immer auf Streit aus, hemmungslos und unsensibel. Annes Eltern dagegen pflegen einen gewählten Umgangston, man schweigt bevor Peinliches besprochen werden könnte, scheut jegliche Konfrontation, ist zurückhaltend. Und so wie Dante Anne mit seiner überschwänglichen Liebe und Spontanität beeindruckt und bedrängt, stürzt sich auch die dicke bengalische Katze, Madame Grey, ( Eine lange Abhandlung könnte man über Katzennamen schreiben und die Personen, die diese Namen ausgesucht haben.) von Dantes Mutter auf die künftige Schwiegertochter, die seit der ersten Begegnung mit ihrer Katzenallergie kämpfen muß. Als würde die Katze ihre Anhänglichkeit oder Ablehnung signalisieren. Allerdings könnte Annes Allergie sich auch bald auf Dante mit seinen zudringlichen Heiratsanträgen übertragen. Ein eigenartiges Wechselspiel der Gefühle, Lebensentwürfe, Verunsicherungen und Hoffnungen.

In „ Aus nächster Nähe” sucht Sancho, der Kater von Tessa, bei passender Gelegenheit das Weite und unternimmt genau das, was sich Tessa seit kurzem wünscht. Eigentlich ist sie glücklich, sie hat Ben und in sieben Monaten ein Baby. Aber da ist auch Andy, Bens geistesgestörter Bruder, für den Tessa weder Geduld noch Verständnis aufbringen kann, der sie einfach nur stört. Genauso feindselig wie Tessa nimmt Sancho den neuen Mitbewohner ins Visier. Oder ist der Kater weggeblieben, weil er sich als trostspendender Partner überfordert fühlte und Tessas körperliche Nähe und ihre aufgezwungenen Streicheleinheiten nicht ertragen konnte?

Vielschichtig können die Lesarten für jede einzelne Erzählung sein. Nie bemüht Nina de Gramont vordergründig die katzentypischen Metaphern und das macht den Charme des Buches aus.