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BOOK REVIEW

Schwedischer KRIMI - Liza Marklund Paradies / Olympisches Feuer / Studio 6 ( Hoffmann und Campe Verlag, Taschenbuchausgaben bei Rowohlt von „Olympisches Feuer” und seit Anfang Mai auch von „Studio 6”)

Werbewirksam schaut das selbstbewußte Konterfei der attraktiven schwedischen Autorin Liza Marklund ( zumindest sieht sie besser als Ingrid Noll aus) den Leser auf allen Covern der Annika Bengtzon - Romane an. Natürlich hat ihre Heldin von „ Studio 6”, „Paradies” und „Olympisches Feuer” wenig mit der Schriftstellerin zu tun, außer, daß beide als Reporterinnen arbeiten.

Wie in besseren Kriminalromanen jetzt üblich begibt sich Liza Marklund mit ihren Stoffen wie Henning Mankell in die Niederungen der schwedischen Gesellschaft. Ein Minister schließt illegale Waffenverträge ab, die serbische Zigarettenmafia schlägt zu oder eine betrügerische Organisation bereichert sich auf Kosten verfolgter Frauen und Kinder. Annika Bengtzon, die Leiterin der Polizeiredaktion beim Abendblatt in Stockholm, wird im ersten Roman

„ Olympisches Feuer” mit einem angeblichen Bombenanschlag auf das Stockholmer Olympiastadion konfrontiert, der sich als Sprengstoffmord an der Chefin der Olympischen Spiele entpuppt. Und dieser Mord ist nicht der einzige, über den die Reporterin schreiben wird. In ihrem hektischen Redaktionsalltag geht es Schlag auf Schlag. Da sind die nervenaufreibenden Telefonate mit der Polizei, sie muß sich mit ihren neidischen männlichen Kollegen herumärgern und dem schlechten Gewissen der Familie gegenüber klarkommen, da sie weder für die beiden kleinen Kinder noch ihren Mann viel Zeit hat. Aber sie liebt ihre Arbeit, ihr intensives Leben und wenn sie sich an einer Geschichte festgebissen hat, dann recherchiert sie, kein Weg ist zu weit und in Gefahr begibt sie sich fast immer. Die gut ausgedachte Realitätsnähe der Romane, die fast wie die Wahrheit anmutet, läßt die Heldin authentisch wirken, sie ist impulsiv und unbequem. Das allzu Menschliche zieht den Leser zu Annika Bengtzon hin, in Schweden angeblich zu jedem neunten Leser. Sie macht Fehler, irrt sich und es kann geschehen, daß tagelang recherchierte Tatsachenberichte nicht an die Öffentlichkeit gelangen, da sie nicht zu beweisen sind. Immer an der Grenze zwischen Sensationsjournalismus und seriöser Berichterstattung macht Annika Bengtzon ihren Job und fühlt sich oft auf der Verliererseite. Sehr offensichtlich zielen die Hiebe der Autorin in Richtung männerdominierter Medienwelt. Zwar hat Annika Bengtzon auch die nächste Schlagzeile für ihre Zeitung im Blick, aber sie ist noch nicht so emotionslos und betriebsblind wie einige Kollegen. Nur der Ressortchef mit seinem miefigen Sofa, daß in jedem Roman wieder auftaucht, stärkt den Rücken seiner weiblichen Mitarbeiterin.

Im zweiten Bengtzon-Roman „ Studio 6” , die Handlung liegt acht Jahre zurück, arbeitet die junge Reporterin als Aushilfe beim Abendblatt. Sie ist das „sörmländische Landei”, das bei seinem ersten Mordfall, eine junge Frau wird tot im Park aufgefunden, von der Nachrichtensendung „Studio 6” wegen inkompetenter Berichte öffentlich kritisiert wird. Annika stolpert über ihre Unerfahrenheit und ihren Ehrgeiz. Ein Schicksalsschlag nach dem anderen, Tod der geliebten Großmutter, offene Verachtung der Mutter und tätlicher Angriff des verlassenen Verlobten, den sie in Notwehr erschlagen wird, sorgen allein schon im persönlichen Bereich für viele Tränen und Kapitel.

Und das ist die Stärke der Autorin, sie verbindet auf geschickte Weise alle Handlungsstränge und baut daraus einen bis auf die letzte Seite spannenden Roman. So folgt der Leser in

„ Paradies”, dem in diesem Jahr erschienenen Roman bei Hoffman & Campe, der zeitlich an „Studio 6” anknüpft, einem Doppelmord im Mafiamilieu und einer betrügerischen Stiftung, die sich „Paradies” nennt. Mit der finanziellen Hilfe der Gemeinden vermag es die dubiose Leiterin verfolgte Personen aus allen Registern zu löschen. Annika Bengtzon nimmt die Spur auf und entdeckt Abgründe und lernt auch gleich ihren künftigen Lebenspartner kennen. Leben pur!

Karin Hahn