The Author: Karin Hahn is specialist critic for childrens literature and a Juror for'The Best Seven', a monthly selection of new books for children published in Germany. She broadcasts regularly for DeutschlandRadio, Antenne Brandenburg and other stations Karin Hahn produces radio plays for children and biographical radio features.
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| Buchempfehlungen zu WEIHNACHTEN / NEUE KALENDER 2003 Ian McEwan: Abbitte Aus dem Englischen von Bernhard Robben; Diogenes Verlag, Zürich 2002; 535 S., EUR24,90 Briony Tallis, ein ueberspanntes, wohlhabendes 13-jaehriges Maedchen, lebt unbeschwert in einer vertraeumten Bilderbuchwelt. Sie schreibt schwuelstige Theaterstuecke, melodramatische Romanzen und schnappt in ihrer vorpupertaeren Sichtweise Szenen ihrer Umgebung auf, die sie in ihrer Unschuld und Beschraenktheit voellig fehlinterpretiert. Und so kuendigt sich an einem heissen Sommertag 1935 eine Katastrophe an, die fuer drei Menschen Folgen haben wird. Brionys zehn Jahre aeltere Schwester Cecilia langweilt sich im pompoesen Landsitz in der Naehe von London und hofft durch die Ankunft des Bruders Leon auf Zerstreuung. Die tritt allerdings in dem Moment ein, als sich die junge Frau bewusst macht, dass sie den unstandesgemaessen, gebildeten Robbie Turner liebt, den Sohn der Putzfrau. Bei einem Treffen in der Bibliothek kommen sich die beiden so nah, wie nur Liebende es vermoegen. Die hinzukommende Briony wird unfreiwillig Zeugin. Robbie begeht einen grossen Fehler und gibt Briony aus Versehen einen obszoenen Brief an Cecilia. Eine Verkettung der verhaengnisvollen Geschehnisse nimmt ihren Lauf. Die kleine Schwester liest die Briefzeilen und in ihrer grenzenlosen Hybris glaubt sie, sie muesse ihre Schwester vor dem Psychopaten Robbie retten. Das Familiendrama schlaegt weitere Wellen als sich ein Uebergriff auf die minderjaehrige Kusine Lola ereignet. Robbies Schuld ist trotz Dunkelheit schnell ausgemacht und Briony, die den Fluechtenden nicht genau sehen konnte, nimmt eine Luege in Kauf, um sich als Schuetzende aufzuspielen. Jeder Mensch kann zum Verhaengnis eines anderen werden. Fuenf Jahre spaeter setzt der zweite Handlungsbogen ein. Der Leser trifft auf den Soldaten Robbie Turner, der sich am Beginn des II.Weltkrieges auf dem Rueckzug nach Duenkirchen befindet. Die Leiden der Menschen durch die Kriegsereignisse lassen die individuelle Schuld einer Figur in den Hintergrund treten und doch sind die Ereignisse an dem entscheidenden Abend 1935 fuer den verletzten Robbie Antrieb seines Ueberlebenskampfes. Cecilia, die sich von der Familie und insbesondere von ihrer Schwester Briony losgesagt hat, arbeitet als Krankenschwester. Briony folgt ihr, um Abbitte zu leisten, in diesem Beruf nach und sucht auch die persoenliche Konfrontation. Briony, die sich der harten Auseinandersetzung mit sich selbst stellt, ist der Dreh- und Angelpunkt der psychologisch feingliedrigen so gegenwaertig wirkenden Geschichte. In bester englischer Romantradition geschrieben, thematisiert der Autor Liebe und Trennung, Unschuld und Selbsterkenntnis. Reflexionsstark breitet Ian McEwan ein ganzes Panorama von menschlichen Empfindungen vor den Augen des Lesers aus. Im Wechsel der Figurenperspektiven und dem zeitlichen Verwirrspiel der Ereignisse geht es um den vergeblichen Versuch der Wiedergutmachung und der Unmoeglichkeit zu vergeben. ________________________________ Roberto Cotroneo, "Wenn ein Kind an einem Sommermorgen. Brief an meinen Sohn über die Liebe zu Büchern", aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber, Frankfurt am Main: Insel, 2002, 215 S., EUR15.00 John Lennon hat fuer seinen Sohn Sean gemalt, Jorge Amado hat eine traurige Liebesgeschichte geschrieben und Roberto Cotroneo, italienischer Autor und Literaturkritiker, schreibt Briefe an seinen Sohn Francesco. Natuerlich lebt der Vater in der Hoffnung, dass sein Sohn sich fuer Buecher interessieren wird. Aus diesem Grund und als “Stiluebung” entstanden die Briefe an den Sohn, Briefe ueber das Lesen, die Liebe zu Buechern und letztendlich auch ein Buch ueber den schreibenden Vater selbst. Bücher haben ihre richtige und ihre falsche Zeit für unser Leben. In diesen Zeiten prägen sie uns. Noch stuermt Francesco mit einem Marienkaeferbuch auf den Vater los und somit vergehen ein paar Jahre, bevor er “ Die Schatzinsel” von R.L. Stevensons in die Hand nehmen wird. Aber Cotroneo beginnt mit diesem Klassiker, denn offensichtlich leuchten alle Maenneraugen, wenn es mit Long John Silver auf Abenteuerfahrt geht. Stevenson ("Die Schatzinsel") folgt J.D. Salinger ("Der Fänger im Roggen"), dann T.S. Eliot ( "The Waste Land") und Thomas Bernhard ("Der Untergeher"). Jedes Werk bereitet Francesco auf neue Lebensproblematiken vor. Ist es bei Jim Hawkins noch der schmale Grad zwischen Gut und Boese, so ist es die Einsicht in die Grenzen der eigenen Begabungen bei Thomas Bernhard. Literatur ist aber auch ein Spiel, man darf sich nicht vor ihr fuerchten, denn: "In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst", schreibt Marcel Proust im letzten Band seiner “Suche nach der verlorenen Zeit”. Und das heisst auch, man muss Buecher mit guten Geschichten lesen. Auf die Suche nach diesen macht sich Cotroneo fuer seinen Sohn, den Leser und er geht der Frage nach, was und wie man lesen soll. Der schmale blaue Band aus dem Insel-Verlag birgt ein intellektuelles Lesevergnuegen. Cotroneo verfuehrt den Leser mit seinem Wissen, denn Literatur soll, sagt der italienische Kritiker Roberto Cotroneo, "mit Demut, aber auch mit Entschlossenheit angepackt werden". Veronique Olmi, Meeresrand, Kunstmann Verlag, 118 S., EUR14.90 Eine namenlose Mutter bricht mit ihren beiden Kindern, Kevin, 5 Jahre, und Stan, 9 Jahre, zu einer ungewoehnlichen Reise auf. Die Kinder sollen einmal in ihrem Leben das Meer gesehen haben, bevor... Ja, das “bevor” koennte der Leser sich hinzudenken. Im Laufe des illusionslosen Monologs der schwermuetigen Mutter, der Endzeitstimmung die sich von Seite zu Seite ausbreitet, ahnt man wohin die Reise wirklich gehen soll. Am Abend verlassen die drei ihr Zuhause, schleichen sich waehrend der Schulzeit davon. Die Kinder nehmen kein Spielzeug mit, denn sie wuerden nicht mehr spielen. Nur eine Dose mit wenig Kleingeld kommt mit auf die geheime Reise. Uebernachten werden sie in einem schaebigen Hotel mit Bettwaesche voller Loecher. Losgeloestheit und ein Gefuehl von Glueck will sich beim Anblick des tobenden Meeres nicht einstellen. Auch die Mutter empfindet nichts als Leere. Am Strand kann sie ihren aelteren Sohn Stan auch nicht mehr kontrollieren. Er, der immer der Verantwortungsvolle sein musste, schlaegt unbeherrscht um sich. Auch Kevin ist nicht beeindruckt, eher aengstlich. Der Dauerregen truebt die Stimmung des kurzen Ausflugs. Ein Unbehagen durchdringt die Kinder, die die Rolle des Erwachsenen nicht uebernehmen koennen. In den Reflexionen der Mutter taucht immer wieder “das Sozialamt”, “ der Psychiater” auf und ihre inneren sprachgewaltigen Rechtfertigungen, wirken nach aussen hin eher verhalten und klaeglich. Wut auf diese lebensuntuechtige Frau koennte entstehen, aber auch Mitleid und Mitempfinden. Denn die Mutter in ihrer Unbedarftheit und Isolierung hat sich eine eigene Welt erschaffen, in der sie die kindliche Unschuld der “Knirpse” vor “der Bekanntschaft mit der Feindseligkeit der Welt” bewahren moechte, bevor sie ihr entgleiten, sie allein lassen. Ein unmoegliches Unterfangen. Es ist ein bedrueckender, auswegloser und quaelender Text, den Veronique Olmi, 40 Jahre alt und selbst Mutter zweier Kinder, geschrieben hat. Sprachlich ausgefeilt und doch in seinen Wiederholungen sich im Kreis drehend, nimmt der Leser nur bei wirklichem Nachempfinden Anteil an dem tragischen Schicksal der Kinder und der Mutter. _________________________________________ Weihnachtstraeume, Hg. Catrin Polojachtof, Reinhard Rohn, Der literarische Adventskalender, Aufbau Taschenbuch Verlag, 227 S., EUR7.95 Weihnachtstraeume sind immer schoener als die wirkliche Festtagszeit. Alle wollen eine gemuetliche und besinnliche Zeit haben. Doch dann wird doch nur gestritten, viel zu viel gegessen und ferngesehen. Kein rieselnder Schnee faellt vom Himmel und die Engel sind doch nur aus Pappe. Da lohnt es den “ Literarischen Adventskalender” in die Hand zu nehmen und sich in die vorweihnachtliche Zeit mit Geschichten, Gedichten und Rezepten zum Fest zu traeumen. Maechtige Muetter koennen die ruppigen Ruprechte abbestellen und ein schleierverhangenes Christkind einladen, der Weihnachtsmann isst Maeuse, ein Dackel als gutgemeintes Weihnachtsgeschenk tyrannisiert eine ganze Familie und die Qualen des Weihnachtsbaumschmueckens werden genauestens beschrieben. “ Grrrr! Das hielt ich als Kind von Weihnachten.” Stephen Frys sarkastischer Blick auf die festlichen Weihnachtsstunden ist nicht gerade aufbauend und doch macht es eine diebische Freude, seinen Gedanken bei aller Frustration und gespielter Abgeklaertheit zu folgen. Aber auch altmodisch, herzinnigst und besinnlich geht es in den Geschichten von Adalbert Stifter oder Gertrud Storm zu. Auch bei Hans Fallada glauben die Kinder immernoch an das Unmoegliche und hegen die Hoffnung doch endlich mal dem Weihnachtsmann im Wald zu begegnen. Doch dass der angebliche Weihnachtsmann dann auch noch Weihnachtsbaeume stiehlt, ist ziemlich enttaeuschend. Anruehrend und komisch zugleich ist die Erzaehlung von Wolfdietrich Schnurre “ Die Leihgabe”, die in vielen Weihnachtsanthologien zu finden ist. Ein Sohn berichtet von seinem arbeitslosen Vater, der seinem Kind ein schoenes Weihnachtsfest bereiten moechte und nicht mal die zwei Mark fuer einen Baum hat. Alles was man entbehren kann, sogar das Grammophon, ist bereits im Leihhaus gelandet. Im Grunewald eine Tanne stehlen kommt nicht in Frage, aber ein Baeumchen ausborgen, waere eine Moeglichkeit. Von der Einfachheit in schweren Zeiten jemandem eine Freude zu machen, erzaehlt diese unsentimentale Geschichte. Neben 24 Erzaehlungen und Ausschnitten aus Romanen, zum Beispiel aus Theodor Fontanes “Effi Briest”, findet der Leser auch die typischen Weihnachtsrezepte. Vom Dresdner Christstollen ueber Lebkuchenpudding bis zur gebratenen Gans mit Maronenfuellung kann alles ausprobiert, gebacken, gekocht, gebraten, gesotten und letztendlich gegessen werden. Unterhaltsame und klug ausgewaehlte literarischer Texte vermischen sich in diesem poetischen Kalender, der sicher schon vor dem vierten Advent ausgelesen ist. FUER KINDER: __________________________________ Andreas Steinhoefel, Es ist ein Elch entsprungen, Carlsen Verlag, 79 S., EUR11.50 Der hoefliche Elch, Mr Moose, testet als Pilot den Schlitten des Santa Claus. Einer muss ja das Risiko uebernehmen, denn die eingebildeten Rentiere sind sich dafuer viel zu schade. Und haette ihn nicht bei Irland eine lockere Silberkufe aus der Bahn geworfen, dann waere er nicht auf Soeren, den guten Wohnzimmertisch der Familie Wagner am dritten Advent geplumst. Alle Jahre wieder macht es ungeheuren Spass, diese komische Weihnachtsgeschichte von Andreas Steinhoefel zu lesen. Neu ausgestattet mit den sanften Winterlandschaften von Kerstin Meyer, hat der Carlsen Verlag “ Es ist ein Elch entsprungen” wiederaufgelegt. Geschickt spielt der Autor mit allen ueblichen Weihnachtsklischees. Natuerlich glaubt niemand mehr an den Weihnachtsmann, weder Bertil noch seine neunmalkluge Schwester. “ Nur weil der Weihnachtsmann noch nie in einer Talkshow aufgetreten ist, bedeutet das nicht, dass er nicht existiert.” Und offensichtlich scheint es ja im weiten Amerika einen “Chef” fuer Mr Moose zu geben. Der schaut dann auch bei Familie Wagner vorbei, um seinen Elch abzuholen. Santa Claus ist nicht gerade sensibel und leider auch bestens informiert ueber Bertils Streiche und die alljaehrliche Familiennotluege der Wagners. Kein Zweifel, Santa Claus existert und laesst sich sehr irdisch mit ein paar Schnaeppschen von Oma Wagner besaenftigen. Am Abend landet er dann angetrunken in einer psychiatrischen Anstalt, denn niemand glaubt dem Santa Claus. Soll Weihnachten nun ausfallen, wer verteilt die Geschenke und was ist mit den geheimen, innigsten Wuenschen? Pointiert und kurzweilig liest sich diese froehliche Weihnachtsgeschichte, die das Fest ein bisschen schoener erscheinen laesst und nebenbei darueber aufklaert, weshalb die Geschenkeverteilung auf der Welt an verschiedenen Tagen stattfinden muss. Roddy Doyle, Rover rettet Weihnachten, Omnibus Verlag, 157 S., EUR11.90 Der zottige Hund Rover ist vielleicht einigen schon aus “ Das grosse Giggler-Geheimnis” bekannt. Da trieb er ja bereits cleveren Hundehaufenhandel mit den Gigglern. Das sind kleine Wichte, die, es kann nicht anders sein, auf der Seite der Kinder stehen und Erwachsene, die mit Maedchen oder Jungen schlecht umgehen, direkt in Rovers Kot hineinlaufen lassen. Also, es hat sich herumgesprochen, Rover ist nicht bloed und so soll er anstelle von Rudi, dem Rentier, den Schlitten des Santa Claus dirigieren. Rudolf ist unpaesslich und hat, was ja jeder verstehen kann, die rote Nase im wahrsten Sinne des Wortes von Weihnachten voll. Zum Geschenkeaustragen versammelt sich nun beim Weihnachtsmann ein eigenartiger Trupp. Da ist ersteinmal Rover, dann abenteuerlustige Kinder und auch noch Eidechsen. Wie diese sich in die Geschichte hineingedraengt haben, ist mir beim Lesen bis zur letzten Seite wirklich schleierhaft geblieben. Ausserdem tummeln sich im Weihnachtsdrama ohne Engelsgesaeusel sprechende Kuehlschraenke, die Angst um ihre Frisur haben, konkurrierende Zahnpasta-Werbe-Clips und Kakteen, die irgendwie nicht so ganz passen. Roddy Doyle spielt jedoch nicht nur mit seinen literarischen Figuren, er nimmt den Leser brav an die Hand und treibt ihn foermlich in den Wahnsinn. Der einzige der einigermassen den Ueberblick behaelt ist Rover, denn im naechsten Buch muss er sicher Ostern retten. Anu Stohner, Henrike Wilson, DER KLEINE WEIHNACHTSMANN, Carl Hanser Verlag, 32 S., EUR12.90 Je kleiner der Weihnachtsmann, um so groesser das Bilderbuch. Ja, und warum soll ein Weihnachtsmann nicht gerademal ein bisschen hoeher als ein Plueschbaer sein? Auch wenn sein duennes “Hohoho!”sicher nur bis zur naechsten Tanne schallt, kann er doch fleissig, eifrig und aufmerksam sein. Er backt die besten Plaetzchen, macht sich endlos Gedanken ueber die schoensten Geschenke und bastelt diese dann auch noch selbst. Aber unser kleiner Weihnachtsmann, der wirklich nicht groesser als ein paar Maennerstiefel ist, hat das schwere Los eines Aussenseiters und Verlierers, denn die Grossen nehmen ihn, den unwichtigen Zwerg, nicht fuer voll. Da stehen sie im dicken Schnee, der Oberweihnachtsmann und ein paar Jungweihnachtsmaenner und lachen nur ueber unseren kleinen Weihnachtsmann. Ziemlich doof, diese Riesen -Weihnachtsmaenner. Von denen wollen wir keine Geschenke. Nur vom kleinen Weihnachtsmann, aber der darf ja nicht zur Erde. Das ist ungerecht. Wo bleiben da Toleranz, Liebe und Guete? Das empfinden auch die Tiere im Wald so, denn auch sie werden wie der kleine Weihnachtsmann mit ihren Wuenschen und Hoffnungen zum Fest regelmaessig ignoriert. Doch wie in jeder guten Weihnachtsgeschichte sind am Ende alle gluecklich und zufrieden, auch unser kleiner Weihnachtsmann. Eine originelle wundervoll farbenfroh vertraeumt gemalte Bilderbuchgeschichte fuer alle kleinen Haende! Kalender 2003 Wolfhard Eschenburg ( Hsg.) Karl Eschenburg, Menschen in Mecklenburg, Kalender 2003, Hinstorff Verlag, EUR19.90 Der Fotograph Karl Eschenburg (1900 - 1947) hat den Menschen ins Gesicht geschaut, ob nun den alten Kahnschiffern, den Bauersfrauen oder den Kindern. Seine Motive vom lebendigen Alltagsleben auf dem Land fand er in seiner mecklenburgischen Heimat, in Buetzow, Rostock oder Wismar. Sein Sohn Wolfhard Eschenburg hat nun 13 interessante schwarz/weiss Aufnahmen aus den zwanziger und dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts fuer den grossformatigen Kalender ausgesucht. Wunderbar die unbeschwerten Kinderbilder. Da tragen drei Jungen riesige Kuchenbleche vor sich her und posieren froehlich vor einem Haus fuer die Kamera. Kinder laufen durch den Schnee, probieren das frischueberholte Karusell aus oder stehen neugierig am alten Hafen von Wismar. Vom Leben der einfachen Leute erzaehlen auch die Bilder vom Topfmarkt, vom Fischhandel auf dem neuen Markt in Rostock oder vom Einbringen der Ernte und spiegeln eine vergangene Zeit wieder, die einmalig in den Bildern von Karl Eschenburg festgehalten wird. Schnurla, Waska, Murla - ...es kommt ein Eskapurla.... Ein Jahreskalender mit zwoelf schoenen und merkwuerdigen Gedichten - dazu Zeichnungen von Sabine Wilharm - verlegt im Carlsen Verlag fuer das Jahr 2003, EUR16.00 Zeit und Raum sind ausser Kraft gesetzt, alles kann auf dem Kopf stehen oder schwungvoll durch die Gegend fliegen, ob eine Teekanne, ganze Reihenhaeuser, Ziegen, Schweine, Pferde, Hunde, Katzen, Krokodile oder andere seltsame Figuren, die dem Zeichenstift Sabine Wilharms und ihres ausgepraegten, unverkennbaren Stils entsprungen sind. Inspiriert von den Traum-, Phantasie- und Nonsensgedichten von Hugo von Hofmannsthal, Wilhelm Busch, Ernst Jandl, V.O. Stomps, Peter Paul Althaus oder Edward Lear schafft sie eine verrueckte Welt voller Freiraeume, seltsamer Perspektiven mit Ecken, Kanten, Rundungen und verschrobenen dicken, kleinen, langgezogenen oder zusammengedrueckten Kreaturen. Da buegelt die Eichhoernchenmutter fuer den Engel sein Hemdchen, Tiere kleiden sich in seltsame Gewaender, springen Springseil ins Bodenlose, kennen kein oben oder unten und sind existent in einer Ueberfuelle von Einfaellen der Illustratorin. Der Spass an den literarischen Texten, dem schwebenden, schwungvollen Klang der Lyrik, den kongenialen Bildumsetzungen mit tanzenden, dahinfliegenden und kraftvollen Figuren laesst fast vergessen, dass dies ein Kalender mit Gebrauchswert sein soll. Arche Literatur Kalender 2003, Arche Verlag, EUR18.00 “ Wenn ich von einem spaeteren Leben im Himmel traeume, dann spielt sich alles immer im Ritz ab.” Dieses zeitlose Hotelleben wuenschte sich der unbehauste Ernest Hemingway, der sich auf dem abgebildeten Foto von 1944 gequaelt ueber seine Schreibmaschine lehnt. “ Ich bin immer dort, wo die Frauen sind”, so H.C.Artmann. Gesellige Ort - Cafes, Hotels, Bars, Wohnungen, Restaurants, bei Freunden, in der Familie, auf Baellen - suchen Maler, Schriftsteller, Dramatiker, Lebenskuenstler und Kabarettisten auf, festgehalten in Fotos, Gemaelden, Collagen und Zeichnungen im neuen Arche Literatur Kalender. Ein Streifzug durch die Jahrhunderte. Briefe, Auszuege aus Romanen, biographische Schriften, Tagebuecher, Postkartentexte oder Gedichte, bringen den Betrachter von Woche zu Woche an neue Plaetze des Zusammenseins. Ob es nun der Gartentisch von Asta Nielsen und Joachim Ringelnatz auf Hiddensee ist oder eine Pariser Bar, in der Simone de Beauvior und Jean Paul Sartre sich gern festsitzen und von denen behauptet wird: “ Wenn die einmal sterben, muss man ihnen unter dem Fussboden ein Loch ausheben.” Aber die Fotografien, Collagen oder Scherenschnitte, Gemaelde und Zeichnungen erzaehlen auch von politischen Gespraechen, sentimentalen Erinnerungen und Einsamkeit und Leere an lauten, belebten Treffpunkten. Pulsiert fuer Brigitte Reimann in Moskau das wahre Leben im Restaurant Dnepr, so klagt Kurt Tucholsky sein Leid ueber die oede Gesellschaft in Berlin. Fuerwahr - ein gelungener Jahresbegleiter! Lisbeth Zwerger, Fabelhafte Wesen, Neugebauer Verlag, EURO 9.80 Ein grossflaechiger Klappkalender zum Anschauen und mit Platz fuer kurze Notizen kommt aus dem Michael Neugebauer Verlag. Auf der oberen Seite sind die 12 Bilder der fabelhaften Wesen zu sehen, die Lisbeth Zwerger geschaffen hat und darunter praktisch angeordnet kleine Kaesten fuer die Tage des jeweiligen Monats. Auch in der Auflistung der Tage haben sich kleine Zeichnungen eingeschlichen, die so die strenge Struktur durchbrechen. Die Motive fuer die Monatsbilder sind Zwerger-Fans nicht unbekannt. Die fabelhaften Wesen sind ihnen schon in den Buechern “ Der Zauberer von Oz” , “ Die Arche Noah” oder als Illustrationen zum Werk von Hans Christian Andersen begegnet. Aber Wiedersehen macht Freude und neuentdecken auch. So streiten sich der dickbauchige Herr Loeffel mit der griesgraemigen Frau Gabel zur Freude des auf dem Tisch entspannt liegenden Messers. Die Arche Noah ist umringt von den seltsamsten Kreaturen, einem Einhorn, einem Zentauren. Stellt sich die Frage: Durften sie eigentlich auch mitfahren? |
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