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The Author: Karin Hahn is specialist critic for childrens literature and a Juror for'The Best Seven', a monthly selection of new books for children published in Germany. She broadcasts regularly for DeutschlandRadio, Antenne Brandenburg and other stations Karin Hahn produces radio plays for children and biographical radio features.

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NEUERSCHEINUNGEN

Neue Fruehjahrsbuecher 2003 / Leipziger Messe / Belletristik und Kinder- Jugendbuecher

20.- 23. Maerz 2003

Leipziger Buchmesse - traditionsreiche Messe in Sachsens Hauptstadt, groesste Buchmesse Deutschlands neben der Frankfurter Buchmesse

Praesentation der Fruehjahrsneuerscheinungen deutscher und internationaler Verlage

Schwerpunkt der Messe - Leipzig liest! ( www.leipzig-liest.de) Zahlreiche in - und auslaendische Autoren lesen im Leipziger Congress Center und an vielen Orten Leipzigs

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Burkhard Spinnen, Der schwarze Grad - Die Geschichte des Unternehmers Walter Lindenmaier aus Laupheim, Verlag Schoeffling & Co. 320 Seiten, EUR19.90

Der Verlag hat in seinem Werbetext nicht uebertrieben. Dieses Buch ist eine “unglaublich, hochgradig spannende Geschichte eines Familienunternehmens”.

Wenn der mittelstaendische Unternehmer Walter Lindenmaier ein Wort nicht kennt, dann heisst das Aufgeben. Er ist ein vitaler, sympathisch wirkender Mann, der auf Menschen ohne Scheu zugeht, zuhoert und Anteil nimmt. Und er wagt es, seinen beruflichen und unternehmerischen Werdegang im familieneigenen schwaebischen Betrieb, der sich auf Metallverarbeitung spezialisiert hat, offenzulegen. Und es ist nicht die typische Sieger-Geschichte. Auf einer Hochzeit lernt Lindenmaier den Schriftsteller Burghard Spinnen kennen und unterbreitet ihm den Vorschlag, ihm sein Leben zu erzaehlen. Der Autor fuehlt sich nicht zum Memoirenschreiber berufen und doch scheint es etwas zu geben, was ihn an dem Anfang 50-Jaehrigen fasziniert. Und so beginnen die ersten Treffen. Am Beginn der Firmengeschichte steht der Name Georg Lindenmaier. Er stammte aus kleinen Verhaeltnissen und baute sich voller Zielstrebigkeit vor gut 70 Jahren einen eigenen Betrieb auf. Und dieses Unternehmen soll mit Unterbrechungen auch im Familienbesitz bis heute bleiben. Burkhard Spinnen setzt Zaesuren beim sachlichen Berichten ueber die Geschichte des Laupheimer Unternehmens, indem er seine Besuche bei Lindenmaier dramaturgisch geschickt dazwischensetzt. In seinen Beschreibungen entsteht so auch ein privates Portraet. Immer wieder im Laufe der Jahre, ob nun durch fachliches und menschliches Versagen, Missgunst, Vertrauensbeweise, die tief enttaeuscht wurden oder eigene Fehlurteile, wird der mittelstaendische Betrieb am finanziellen Abgrund stehen. Immerwieder helfen der Rueckhalt in der Familie. Ehefrau Alexandra hat die traditionelle Hausfrauenrolle und die Erziehung der drei Kinder uebernommen. Auch kleine Wunder oder eher Zufaelle, wie zum Beispiel ein Poststreik, verhindern den Konkurs des Unternehmens. Durch Geheimaktionen und Rueckeroberunsplaene schafft es Lindenmaier jedesmal, auch beim eigenen Rausschmiss oder zeitlich begrenzter Entlassung, durch den Vordereingang seines Betrieb hocherhobenen Hauptes wieder zu erscheinen. Das klingt nach Abenteuer und doch ist es die pure Wahrheit. Und so unglaublich es klingen mag, Walter Lindenmaier ueberlebt haarscharf einen Flugzeugabsturz am Schwarzen Grat, dem hoechsten Berg im Allgaeu. Als waeren seine beruflichen Querelen nicht schon Pruefung genug.

Burkhard Spinnen konzentriert sich praezise auf die Geschichte des Unternehmens und hat es geschafft, eine fuer Laien doch schwer durchschaubare Materie verstaendlich darzustellen. Und er unterdrueckt den Wunsch zu interpretieren oder tiefer nachzuhaken. Nur ein einziges Mal bittet er um genauere Hintergrundinformationen, bei den Gruenden fuer die Internierungshaft des Grossvaters Georg Lindenmaier nach 1945.

Es ist die sachlich, klare Erzaehlweise des Autors, die diese authentische Geschichte zu einer spannenden Lektuere werden laesst, den Leser bewegt und bis zur letzten Seite nicht mehr loslaesst.

Yade Kara, Selam Berlin, Diogenes Verlag, 382 Seiten, EUR19.90

1989 - Die Mauer faellt und in der tuerkischen Familie Kasan wird nichts mehr so sein, wie es vorher war. War man nicht schon genug mit seiner Zerrisssenheit zwischen Instanbul und Berlin beschaeftigt, so lebte es sich gleich neben der Mauer in Berlin-Kreuzberg ganz angenehm. Nun stuermen die grauen Ossis das KaDeWe, Vater Kasan sieht seine linken Traeume den Bach hinuntergehen und Hasan Kasan, der Erzaehler dieser Berlin-Geschichte, muss sich in der U-Bahn wie ein Exot aus dem Zoo von den ostdeutschen Bruedern anstarren lassen. Aus ist es mit dem ruhigen Leben im nicht gerade gut florierenden Reisebuero und den exklusiven Kontakten zur Interflug. Mit dem Mauerfall offenbaren sich auch alle Fehltritte, die hinter dem antifaschistischen Schutzwall so gut verborgen blieben. Fluchtartig verlaesst Hasans Mutter die Bildflaeche, als sich herausstellt, dass Vater Kasan ein uneheliches Kind mit einer Unglaeubigen in Ostberlin hat. Fuer die lautstarke in ihren eigenen Beschraenkungen gefangene resolute Frau ist Istanbul der kulturelle und intellektuelle Nabel der Welt. Wen kuemmert schon das mickrige Berlin, eine furchtbar oede Stadt, in der die Kinder nur zu “Kiffern”, “Homos” oder “Hippies” erzogen werden wuerden. Hasan, der Beobachter des familiaeren Chaos, macht sich auf die Suche nach seinem eigenen Weg. Mit seinen 19 Jahren schaut er sich nicht gerade ehrgeizig nach einem Job um. Cora, die Frau seiner Traeume gilt es zu erobern und die Filmwelt, in der Tuerken nur Messerstecher oder Zuhaelter darstellen. Aber was soll’s, dabei sein ist alles. Auch wenn alle Tore offen sind, Hast oder Eile sind nicht Hasans Sache, eher kommt alles auf ihn zu. Im Leben haben sowieso nur die Frauen, ob tuerkisch, deutsch, jung oder alt, die Hosen an. Die Maenner schweigen, rauchen oder gehen wieder oefter in die Moschee. Eine Welt voller Klischees ist dazu da, dass sie immer wieder bestaetigt werden muss und Yade Kara versteht sich darauf meisterlich.

So beschreibt sie nicht nur liebevoll ihre Landsleute mit der noetigen Distanz, sondern karikiert auch die oeberflaechlich laecherliche Filmwelt und die zugereisten Westdeutschen mit ihrer Gartenzwergmentalitaet. Alle bekommen ihr Fett weg. Der junge Held taucht ins Leben ein und macht seine Erfahrungen.

Ein wenig ueberkonstruiert sind die ost-west-tuerkischen Familienbande, die bei einer Millionenstadt dann eher zu zufaellig erscheinen. Mit aller Macht nun alle neuen Probleme in die Geschichte zu draengen und ein gewollt mulitkulturelles Brodeln zu inszenieren, hat dem unterhaltsamen Roman der tuerkischen Autorin Yade Kara an einigen Stellen des Buches nicht gut getan. Doch der trockene Humor der Autorin und die unsentimentale Sichtweise auf eine hektische Zeit des Neuanfangs und der Verwirrungen entschaendigt beim Rundumschlag gegen Orient und Ozident und macht den Roman “ Selam Berlin” zur puren Lesefreude.

Gabriela Jaskulla, Ostseeliebe, btb Verlag, 348 Seiten, EUR19.90

Julia Voelcker, Landratte oder eher graue dicke Maus und Germanistin, macht sich aus Bielefeld auf die Reise zu einem einjaehrigen Studienaufenthalt auf eine ostdeutsche Insel, deren Name im Ungewissen bleibt. Der Sanddornschnaps koennte ein Hinweis sein, mal faellt auch der Name Hauptmann, eine Insel ohne Autoverkehr in der Naehe von Ruegen - Hiddensee?

Jedenfalls war die Insel einst Treffpunkt und Erholungsort von Kuenstlern. Julia, 27, soll nun den Nachlass des in den 20er Jahren bekannten Dichters Hansjoerg Ladestein durchsehen und katalogisieren. Der Ortswechsel weckt in Julia Kindheitserinnerungen an die schweigende Mutter, an ihre Verlorenheit in der Familie, die unauffaellige Freundin, die sie sein musste, um ueberhaupt Kontakte zu knuepfen. Die Uhren ticken jedoch auf dieser Insel mit ihren vielleicht 1200 Einwohnern anders. Doch dessen ungeachtet wird die Neue in das Inselleben hineingezogen, lernt die Menschen, die sich den rauhen Naturgegebenheiten und den neuen Bedingungen anpassen muessen kennen. Drei Jahre nach der Wende sind viele Hoffnungen der Inselbewohner in Fatalismus und Resignation umgeschlagen. Der Tierarzt, Hanno Minarek, der sich fuer den Naturschutz einsetzt und ein Pferdefuhrunternehmen fuer die Touristen auf der Insel eingerichtet hat, versucht sich den Zeiten anzupassen. Das stoesst eher auf Widerstand bei den unbeweglichen, eher reservierten Inselbewohnern als auf Zustimmung. Julia und Hanno, die Aussenseiter, verlieben sich ineinander. Parallel zu Julias Liebesgeschichte entdeckt sie die ihres Dichters zu Malvine, die kein gutes Ende nehmen sollte und auch die menschlichen Schattenseiten ihres wissenschaftlichen Objekts offenbaren. Doch als sich drei Herren aus Sueddeutschland ankuendigen und die Idee eines Freizeitparks verbreiten, eskaliert die Handlung. Vorurteile, Unwissenheit und verletzter Stolz der beiden Liebenden aus verschiedenen Welten treffen aufeinander......

Gabriella Jaskulla beschreibt Schritt fuer Schritt die Veraenderungen ihrer Protagonistin, die als Aussenstehende anfaenglich nur beobachtet und immer mehr durch ihre Liebe zu Hanno in die Schicksale der Inselbewohner hineingezogen wird. Doch Fiktion und Wirklichkeit liegen weit auseinander und stellenweise wirken die Probleme altbekannt, wie z.B. das obskure Projekt eines Freizeitparks.


Leon de Winter, Malibu, Diogenes Verlag, 417 Seiten, Eur22.90

Joop Koopman, Niederlaender wie der Autor des Romans “ Malibu”, der auch mit dem Filmgeschaeft liebaeugelt, wohnt als nicht allzu erfolgreicher Drehbuchautor in Kalifornien.

Irgendwie hat das Schicksal ihn dorthin verschlagen. Seit ihn seine Frau Ellen verlassen hat, lebt er allein mit seiner Tochter Miriam. Er ist ein liebevoller Vater, der sich mit seiner inzwischen 17-jaehrigen Tochter gut versteht. Als ein Bekannter aus vergangenen Tagen auftaucht und ihn fuer den israelischen Geheimdienst werben will, klingelt das Telefon. Miriam hatte einen schweren Motorradunfall und liegt auf der Intensivstation. Sie wird sterben. Koopman gibt ihr Herz fuer eine Transplantation frei und vergraebt sich in seinem Kummer. Wie nun weitermachen nach dem unabaenderlichen Tod des Kindes?

Aber die schicksalhaften Ereignisse nehmen kein Ende, denn ploetzlich taucht auch aus der Vergangenheit eine entfernte Verwandte und fruehe Jugendliebe Koopmans auf, die sich getarnt mit einem buddistischen Moench auf raetselhafte Weise wieder Koopmans Vertrauen erwirbt. Um herauszufinden, wer mit Miriams Herz weiterlebt, geht Koopman aus finanziellen Gruenden auf das Angebot des Mossad ein. Leon de Winter fuehrt einen tragischen Helden vor, den hoehere Gewalten oder einfach nur obskure Zufaelle sein Leben in ein voelliges Chaos verwandeln. In einem unterhaltsamen weniger tiefgruendigen Genremix aus Spionageroman, Krimi und Tragoedie erzaehlt der Autor temporeich und ergreifend die Geschichte eines Mannes, die Koopman als Drehbuchautor sich nicht besser haette ausdenken koennen. Kinostoff eben.






Cilla Naumann, Eriks Zimmer, dtv premium, 287 Seiten, EUR15.-

Olof, 60, Kinderarzt, und Sonja, 55, Anwaeltin, sitzen nach einem arbeitsreichen Tag bequem

in ihrer grossen Wohnung im besten Stadtviertel von Stockholm. Eine Mitteilung der Polizei platzt in die abendlich wohlige Idylle. Ihr einziger Sohn Erik, 25, Student, wurde wegen Mordverdacht verhaftet. Olof durchsucht immer wieder akribisch das Zimmer seines Sohnes um auf Spuren, Anzeichen, Erklaerungen zu stossen. Die schwedische Autorin Cilla Naumann erstellt kein Psychogramm des moeglichen Gewalttaeters. Sie umkreist atmosphaerisch bedrueckend in Rueckblenden das Leben der Eltern. Olof, der durch einen Unfall seinen Bruder und zwei weitere Spielkameraden verloren hatte, empfindet grundlos eine immerwaehrende Schuld. Sonja fuehlte sich von der alleinerziehenden, arbeitenden Mutter nicht geliebt und spuerte immer diese kindliche Sehnsucht nach der heilen Familie. Mit Olof fand sie diese und mit Erik war sie fast vollkommen, obwohl immer der Wunsch nach weiteren Kindern blieb. Nach und nach rekapituliert Olof wie fremd ihm sein Sohn vom ersten Tag an war. Wie er immer wieder den Versuch unternommen hatte, in Eriks Naehe zu gelangen. Sonja ahnte nichts von diesen Empfindungen, denn sie fuehlte sich fest mit Erik verbunden. In seiner Entwicklung gab es nichts Auffaelliges. Er hatte zwar keine Freunde, aber in der Schule lief alles problemlos. Immer an der Seite der Eltern fanden keine Abloesungskaempfe statt, kein Streit. Unauffaellig, niemandem zugehoerig, fast emotionslos uebersprang er die Pupertaet und fand seine erste Freundin. Anna, ein schweigsames, raetselhaftes Maedchen, das Sonjas Abneigung geradezu herausforderte. Olof jedoch fuellt sich trotz aller Unbehaglichkeit zu Anna hingezogen. Oder ist es nur der Umweg ueber einen Menschen, ein verzweifelter Versuch, um seinen Sohn zu verstehen? Im Sommerhaus in Udden in einem heissen Sommer scheinen sich alle Konflikte anzudeuten und aufzubrechen, lang vor den angeblichen Verbrechen. Als fast alles im Leben schon geschafft ist, wird sein Sinn wieder in Frage gestellt. Parallel zur Reflexionsebene der Figuren findet die Gegenwart statt. Olof, immer mehr fasziniert von den Zeitungsmeldungen ueber Erik, legt Alben ueber alle Berichte an und verliert seine Arbeit. Sonja ignoriert das Geschehen, die Attacken der Nachbarn. In einer emotionsgeladenen, subtilen Bildsprache beschreibt die Autorin den langsamen inneren Trennungsprozess von Olof und Sonja. Ihre Erinnerungen haben keine befreiende, klaerende Wirkung. Auch wenn beide ihre Tueren vor der Umwelt fest verschlossen haben, eroeffnet sich fuer Olof die Chance, alles noch einmal anders zu erleben - mit dem neugeborenen Sohn von Anna.