|
REZENSION |
Belletristik | |||||||||||||
| NOVEMBER 2005 | ||||||||||||||
| REZENSION
Belletristik Bilderbuecher Jugendbuecher Kinderbuecher Sachbuecher |
||||||||||||||
|
Christa Wolf: Mit anderem Blick, Erzaehlungen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005, 191 Seiten, 14,80 Euro Acht der neun Erzaehlungen und Tagebuchaufzeichnung Christa Wolfs erschienen bereits in der Zeit zwischen 1992 und 2003. Neu ist nur der Text " Fototermin L.A.". Wie eine skeptische Zuschauerin in einem Film beobachtet die Autorin, obwohl sie im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, mit Heiterkeit den Besuch eines beruehmten Fotoateliers. Sie betont, dass sie kein Model ( "Kein Make up!") sei und geniesst die Perfektion der Arbeit. Drei der Texte reflektierten Christa Wolfs Aufenthalt in Kalifornien. Sie hat den Blick gewechselt. Veroeffentlichte Christa Wolf vor Jahren noch Texte, die stets eine gewisse Distanz wahrten, so laesst sie jetzt den Leser doch naeher an sich heran, gibt Persoenliches preis und scheint sich auch dabei wohl zu fuehlen. Mit der Veroeffentlichung der Tagebuchaufzeichnungen " Ein Tag im Jahr" ( Der Text vom 27. September 2001 beendet den aktuellen Band. ) hatte Christa Wolf einen entscheidenden Schrift getan. Persoenliches, Intimes preiszugeben, heisst auch sich angreifbar zu machen. In einem Interview fuer die Zeitschrift "Die Zeit" beantwortet Christa Wolf die Frage, ob der Erzaehlungsband " Mit anderem Blick" leichter ist, was den Blick aufs Leben angeht so: " Nein, der Eindruck täuscht nicht. Dieses Buch ist sogar ein wenig unter diesem Gesichtspunkt zusammengestellt. Ich wollte einfach mal ein paar Dinge zeigen, die man von mir nicht unbedingt erwartet. Dazu gehören der Humor, die Leichtigkeit. Anders, als vielleicht manche vermuten, lache ich gern, wir lachen sehr viel in der Familie. Ironie und Selbstironie stehen bei uns hoch im Kurs. Ich wollte einfach mal etwas mehr davon sehen lassen." Christa Wolf schreibt ueber ihre Beziehung zu ihrem Mann ( "Er und Ich"), ihre langjaehrige Ehe und nimmt auch dieses Thema nicht bitterernst. ( "Herr Wolf erwartet Gaeste und bereitet fuer sie ein Essen vor") Doch sie bleibt die scharfe Beobachterin, die Nachdenkliche mit viel Sinn auch fuer groteske Situationen. Das Autobiographische ( z.B. " Nachdenken ueber Christa T.") hatte in ihren Romanen auch seinen Platz und doch rueckte es nicht so in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Christa Wolf sucht mit ihren persoenlichen Themen auch die Allgemeingueltigkeit, wenn sie ueber Verletzungen, Krankheit, Endlichkeit, Schmerz, Zweisamkeit oder die Ehe schreibt. Christa Wolf versucht, so nah wie möglich und so schonungslos wie möglich schreibend an sich heranzukommen. Das Persoenliche ist ein Teil dieses Schreibprozesses.
|
||||||||||||||
| BRIGITTE GIRAUD: Im Schatten der Wellen | ||||||||||||||
| CHRISTA WOLF: Mit anderem Blick | ||||||||||||||
| DANIEL KEHLMANN: Die Vermessung der Welt | ||||||||||||||
| HANNS-JOSEF ORTHEIL: Die geheimen Stunden der Nacht | ||||||||||||||
| HAKAN NESSER: Die Schatten und der Regen | ||||||||||||||
| SASKIA NOORT: Das dunkle Haus | ||||||||||||||
| VIOLA ROGGENKAMP: Erika Mann | ||||||||||||||
| content-tv.com | ||||||||||||||